Privat-Konzerte
Shakira singt nicht für Despoten

Shakira will nicht für den tschetschenischen Präsidenten Ramsan Kadyrow singen. Andere Stars wie Vanessa Mae oder Kevin Costner haben da keine Skrupel - und verdienen gut bei Privatkonzerten.
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Moskau/DüsseldorfDie Popsängerin Shakira (34) hat in einem Twitter-Eintrag einen angeblich geplanten Auftritt in Tschetschenien dementiert. „Entgegen anderslautender Berichte ist kein Auftritt von Shakira für den tschetschenischen Präsidenten geplant“, teilte der kolumbianische Superstar über den Kurznachrichtendienst mit.

Der umstrittene Republikchef Ramsan Kadyrow, den Kritiker in dem russischen früheren Bürgerkriegsgebiet für schwere Verbrechen und Menschenrechtsverletzungen verantwortlich machen, hatte Shakira nach Angaben aus Tschetschenien für ein Fest am 5. Oktober gebucht. Dieser Tag ist auch Kadyrows 35. Geburtstag.

Kadyrows Sprecher behauptete weiter, dass die für ihre freizügigen Kostüme bekannte Sängerin in dem islamisch geprägten Konfliktgebiet Nordkaukasus auftreten werde. Das Konzert finde zu Ehren des Tages der tschetschenischen Hauptstadt Grosny statt, der ebenfalls am 5. Oktober gefeiert wird, sagte Alwi Karimow der Moskauer Zeitung „Komsomolskaja Prawda“.

Private Geschäftsleute und nicht die tschetschenische Regierung finanzieren die Party mit Feuerwerk und Laser-Show demnach. Angeblich sollen auch die britische Star-Geigerin Vanessa Mae (32) sowie die Oscar-Preisträger Kevin Costner (56) und Hilary Swank (37) an dem geplanten Fest teilnehmen.

Für viele Stars sind private Ständchen ein erquickliches Geschäft. Je nach Gage kann ein Konzert für einen Ölscheich ertragreicher sein als das Kerngeschäft: die Auftritte vor ihren tausenden von Fans in Konzerthallen und Stadien. Öffentlich bekannt wird es dagegen eher selten, wenn Beyoncé, Nelly Furtado oder Robbie Williams bei Staatsoberhäuptern oder Wirtschaftsbossen singen. Eine Ausnahme war da das libysche Regime, dass Unsummen für private Konzerte und Luxusfeiern ausgab. So sagen etwa Beyoncé Knowles für Hannibal al Gaddafi, Sohn des libyschen Diktators Muammar al Gaddafi.

Als das Regime in die Kritik geriet, gab sie schnell und öffentlichkeitswirksam bekannt, ihre Gage für die Erdbebenopfer auf Haiti spenden zu wollen. Ihr gleich tat es die kanadische Sängerin Nelly Furtado, die sich von der Diktatorenfamilie distanzierte und ihre Gage, die sie für einen Auftritt 2007 erhalten hatte, für wohltätige Zwecke spenden zu wollen. Andere angebliche Gaststars Usher, Mariah Carey und Lionel Richie in den letzten Jahren Privatkonzerte für den Gaddafi-Clan gegeben. Mariah Carey erklärte sie sei naiv gewesen und habe nicht gewusst, für wen sie 2008 auf St. Bart's auftrat.Auch der russische Oligarch Roman Abramowitsch, Eigentümer des Fußballclubs Chelsea, soll regelmäßig Stars einfliegen lassen: Robbie Williams soll für zwei Millionen US-Dollar gesungen haben haben.

Auch Prominente jenseits der Politik lassen sich gerne exklusive Ständchen singen: Fußballer Michael Ballack etwa ließ Elton John zu seiner Hochzeit einfliegen, die Deutsche Bank holte die Rolling Stones zur Unterhaltung ihrer spanischen Geschäftspartner. Dafür hatten die Rocker 2007 sogar ihre Welttournee unterbrochen. Der Auftritt soll laut „Spiegel“ rund vier Millionen Euro gekostet haben. Die Gagen von Kylie Minogue, Robbie Williams, Christina Aguilera, Elton John und Beyoncé Knowles lassen sich Privatauftritte mit einer bis zwei Millionen Euro vergolden.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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