Privatdienstflugleiter
Mein ist die Luft

Warteschlangen vor Abfertigungshallen? Das Unternehmen NetJets, ein Privatdienstflugleiter, ist eine Alternative zur stressigen Linienfliegerei. Zwischen all den Terminen braucht der „flexible Mensch“ Zeitsouveränität – die verschafft ihm auch ein Privatjet-Abonnement.

HB. Auch durch die regenschweren Wolken über Berlin hält die Cessna Citation Bravo ihren Kurs und wackelt kaum. Der siebensitzige Jet mit dem Kennzeichen CS-DHE lässt Berlin-Tempelhof schnell hinter sich, Kapitän Benno Ganster und sein Kopilot pilotieren die Maschine zügig Richtung Westen. Wir wollen heute – möglichst rasch und komfortabel - zur „Tate Modern“, dem Dorado für moderne Kunst an der Londoner Westbank. Auf dem Weg dorthin ist der Endvierziger Benno Ganster unser Privatpilot. Eine Dreiviertelstunde zuvor hatte uns ein Mann vom Berliner Limousinenservice pünktlich geholt und an das gewohnt bräsige Tempelhofener Flughafenpersonal übergeben. Lieber als zerlesene Fliegermagazine wäre uns ein Schluck Kaffee gewesen! Schließlich hat uns Benno Ganster erlöst, unser Privatpilot für einen Tag. Blitz-Check-in. Handgepäckkontrolle im Supereilverfahren. Wir nehmen in der Bravo Platz, werden in die Sicherheitsbestimmungen eingewiesen, aber auch in den Gebrauch der Teakholzschränke, in denen Snacks und gekühlte Getränke sind und auf deren Politur sich links die Cockpit-Armaturen spiegeln und rechts das Büfett, das vor uns auf den Tischen ausgebreitet ist. Das Kabineninnere ist knapp fünf Meter lang; wir fliegen leichte Jet-Klasse, nippen an diesem, knabbern an jenem und schauen dabei den Wolken beim Verdampfen zu.

Viele Wege führen von Berlin oder sonst wo nach sonst wohin; die meisten sind zeitraubend, deprimierend und so niederschmetternd egalitär, wie es nun mal in Warteschlangen vor Abfertigungsschaltern zugeht. Warten, warten und immer an den Mittelplatz denken. Für den, der die Zeitsouveränität eines Entscheiders braucht, sind Privatflugdienstleister wie das Unternehmen NetJets eine Alternative zur Linienfliegerei – und zum eigenen Flugzeug. NetJets, zu dessen Piloten Benno Ganster gehört, verschafft Verfügbarkeit über Privatjets, vorausgesetzt, man hat ein Teileigentum erworben an einer die siebensitzigen Beechcraft Hawker 400XP zum Beispiel oder einer 14-sitzigen Gulfstream 550/V.

Neben dem Teilerwerbsmodell gibt es auch die Möglichkeit, dass Firmen oder Privatkunden 25 Stunden mit einem ausgewählten Flugzeugtyp der NetJets-Flotte erwerben. Kosten: Ab 129 000 Euro in der Leicht-Jet-Klasse. Macht 5160 Euro pro Stunde – wenn der 7- bzw. 14-sitzige Jet jeweils voll besetzt ist, kann sich der privilegierte Lufttransport in puncto Wirtschaftlichkeit mit First- oder Business-Class-Flügen durchaus messen – in puncto Bequemlichkeit sowieso, wie unser London-Trip beweist: Kapitän Ganster setzt die Bravo auf dem kurzen Rollfeld des innerstädtischen „London City Airports“ auf, quasi vor die Tür des Abfertigungsgebäudes, hinter dem ein Limousinenfahrer wartet, um uns zur „Tate Modern“ zu bringen. Dort beeindrucken dann besonders die Exponate von Joseph Beuys (der bekanntlich ein Flieger war) und die Installationen der Claire Harvey mit dem irgendwie passenden Titel: „Easily Removable“.

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