Privater Düsenjäger
Himmel-Honda

Was Honda bisher für Autos, Motorräder und Rasenmäher war, soll bald auch für die oberschichtige Transportklasse gelten. Denn der japanische Hersteller will mit seinem Kompaktmodell, dem neuen Honda-Jet, den Markt für wohlbetuchte Businessflieger aufmischen. Das ultimative Statussymbol für vergleichsweise wenig Geld.

Der HON-Flieger träumt trotz aller Lufthansa-Aufmerksamkeit davon, das ambitionierte B-Filmsternchen braucht’s zum A-Rating, und der Vorstandsvorsitzende will sein Budget nicht stressen: Sie alle bekommen jetzt was Neues zum Spielen. Endlich gibt es den eigenen Business-Jet für den etwas nolens volens preisbewussten Geldadel. Was Honda bisher für Autos, Motorräder und Rasenmäher war, soll bald auch für die oberschichtige Transportklasse gelten, denn der japanische Hersteller will mit seinem Kompaktmodell, dem neuen Honda-Jet, den Markt für (relativ) wohlbetuchte Businessflieger aufmischen. Für mickrige 2, 8 Millionen Euro, den Gegenwert von zwei Ferraris Enzos, vierzehn Drehtage oder den zu erwartenden „Golden Handshake“ kann der Status-bewusste Krösus in spe mit dem eigenen Jet von A nach B fliegen, vorausgesetzt allerdings, A und B liegen nicht allzu weit auseinander.

Der Honda-Jet, der in Greensboro im amerikanischen Bundesstaat North Carolina gebaut werden wird, ist nicht ganz so schnell wie die Konkurrenz von Lear-Jet oder Beechjet (480 Meilen pro Stunde im Gegensatz zu 620mph) und hat weder die maximale Flughöhe (41 000 Fuß gegenüber 51 000 Fuß) noch die Reichweite der Mitbewerber (2 100 km zu 4 400 km), aber für den Status, also den Flug von Frankfurt ins Wochenendhaus in der Algarve, reicht es allemal. Je nach Konfiguration hat der Sky-Mini Platz für vier bis sieben Passagiere in der reichlich engen Kabine, was zwar – verglichen mit dem Platzangebot in Lufthansas First – einen etwas beeinträchtigten Komfort bedeutet, den Ich-bin-wer-Effekt bei Start und Landung jedoch enorm erhöht. Außerdem bekommt man für den Gegenwert eines brandneuen Honda-Jets gerade mal einen guten Gebrauchten der bisherigen Marktführer, die neu weit über sechs Millionen kosten. Und die sehen bei weitem nicht so schick aus wie der neue Honda, was beim erwarteten Zielpublikum durchaus ein Verkaufsargument darstellt: Bei der Flugzeugschau im amerikanischen Orlando buchten die Honda-Verkäufer satte hundert Vorbestellungen für ihren Himmelsstürmer, was die Produktionsprojektion des „Very Light Jets (VLJ)“ auf stattliche 4 500 Stück springen ließ.

Der Kleindüsenjäger ist das Baby des japanischen Honda-Ingenieurs Michimasa Fujino, der die Motoren unkonventionellerweise oben auf die Tragflächen montierte (eine Idee, die er einem deutschen Design aus den 70er-Jahren abschaute) und die Pilotenkanzel gänzlich mit Glas verkleidete, was dem Flieger – zusammen mit der eleganten Nase und der stark taillierten Fuselage – das Aussehen einer fliegenden Cola-Flasche gibt. Über zwanzig Jahre arbeitet Fujino schon an seiner Idee für die Revolution des edlen Transporters, hauptsächlich musste der 45-Jährige dabei Überzeugungsarbeit leisten beim fernöstlichen Automobilhersteller, der dem jüngsten Mitglied der Modellfamilie auch gleich – typisch Honda – einen äußerst sparsamen Verbrauch attestierte.

Im direkten Vergleich zu den bisherigen Privatjets soll der Honda-Jet bis zu 35 Prozent weniger Sprit verbrauchen als die Konkurrenz. Das Pekunariat unserer Welt hat einen neuen Stern am Himmel: die Kompaktklasse für den persönlichen Flugverkehr.

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