Privatsphäre im Flieger
Luftschlösschen

Privatsphäre ist das große Thema in der Luftfahrt. Wer sich beim Fliegen vor schlechtem Umgang fürchtet, kann jetzt die Tür hinter sich zumachen. Die indische Fluggesellschaft Jet Airways führt Einzelkabinen in der ersten Klasse ein.

Es war schon immer etwas kostspieliger, sich in London in einer Besenkammer häuslich – oder andersweitig niederzulassen. Boris Becker kann davon das schwere Lied der Alimentation singen. Und ein Makler machte im vergangenen Jahr von sich reden, als er innerhalb kürzester Zeit ein sechs Quadratmeter großes Abstellzimmerchen als voll ausgestattete Singlewohnung vermieten konnte. Rund 800 Euro Miete pro Monat musste die Mieterin dafür hinblättern. Noch kleiner, dafür aber bedeutend teurer ist ein kleines Separee, das man von London Heathrow aus anmieten kann. Für die knapp drei Quadratmeter Privatheit sind etwa 8 000 Euro fällig. Dafür befindet es sich an Bord einer Boeing 777-300ER, und ein Hin- und Rückflug nach Mumbai, dem ehemaligen Bombay, ist im Preis inbegriffen.

Privatsphäre ist das große Thema in der Luftfahrt. Unlängst hat die British Airways ihre neuen Business-Sessel vorgestellt. Mit Schirmen aus „lumisty“, einem Kunststoff, der aus bestimmten Blickrichtungen durchsichtig ist, aus anderen hingegen nicht. Und Singapore Airlines protzt mit 58cm-Bildschirmen und einem 89cm breiten Sitz in der neuen First Class. Cathay Pacific hat da sogar noch zwei Zentimeter mehr zu bieten und zudem eine Ottomane, auf der sich Gäste zum Diktat oder zum gemeinsamen Dinner niederlassen können. Auch die Emirates haben schiebetürenbewehrte Plätze – zumindest im Airbus A340. Allerdings auch nur an den Randplätzen. Wer in der Mitte sitzt, muss sich mit einem hochfahrbaren Paravent begnügen.

Doch ausgerechnet Jet Airways, eine indische Fluggesellschaft, die langsam auch den europäischen Markt aufmischt, legt noch ein paar Extras drauf. Kein Wunder, allein 35 der 946 Milliardäre auf der Forbes-Liste 2007 sind indische Staatsbürger.

Zunächst werden die Gäste mit einer Limousine zu Hause abgeholt und zum Premium-Check-in in London Heathrow Terminal 3 gebracht. Natürlich gibt es einen eigenen Check-in für die acht Erster-Klasse-Plätze. An Bord der 777 können die Gäste ihre Garderobe in einem eigenen Schrank verstauen, bevor sie sich hinter die massiven Holztüren zurückziehen. Die neuen Sitze verfügen über eine Massagefunktion in acht Stufen. Von dem eigenen Bildschirm lassen sich E-Mails und SMS verschicken. Außerdem gibt es noch einen gegenüberliegenden Sitz für Besprechungen, das gemeinsame Dinner oder was man sonst noch hinter zugezogenen Türen auf drei Quadratmetern anstellen möchte. Die fliegenden Privatzimmer gibt es derzeit nur zwischen London und Zielen in Indien und den USA. Ab August wird die First-Verbindung auch ab Brüssel angeboten – und das auch deutlich billiger. Mit Zubringer von Deutschland aus kostet sie rund 4 400 Euro. Und im kommenden Jahr soll eine Direktverbindung von Deutschland aus folgen. Fehlt nur noch eins: das Doppelbett im Jet.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%