Procida
Briefträgertraum

Procida im Golf von Neapel ist gerade zu Ostern ein Anziehungspunkt für Seefahrer und Fromme. Das Inselchen war aber auch schon Kulisse für Kultfilme.

Der Hotelportier in Neapel lobt unsere Extravaganz: „Sie haben sich die schönste Insel ausgesucht.“ Denn wir fahren nicht wie die Kanzlerin und Tausende ihrer deutschen Mitbürger nach Ischia. Auch das schicke Capri lassen wir links liegen. Wir reisen nach Procida, der kleinsten Insel im Golf von Neapel, die noch immer ein Geheimtipp für Inselfreaks ist auf der Suche nach der Ursprünglichkeit mediterranen Lebens.

Knapp vier Quadratkilometer ist das Inselchen groß. Aber auf dieser winzigen Fläche drängen sich bunte Dörfer, mehrere kleine Häfen und Strände, Weinberge und wilde Gärten, Zitronen- und Orangenhaine. Gekrönt wird das Eiland auf seiner gerade mal 90 Meter über dem Meer aufragenden höchsten Erhebung von einer riesigen Burganlage, welche die Ausmaße eines kleinen Städtchens annimmt – mitsamt einer Kirche, die allerlei Kunst und Kurioses birgt.

Mit den großen Autofähren oder den schnellen Tragflügelbooten ist Procida von Neapel und Pozzuoli aus leicht erreichbar. Schon die Ankunft am Hafen Marina Grande verzaubert den Besucher. Pastellfarbene Häuser säumen den Hafen, Fischerboote spiegeln sich im tiefblauen Wasser. Die prächtige Fassade eines Palastes, hinter dessen Fensteröffnungen Leere gähnt, könnte vermuten lassen, hier sei ein „Türke“ gebaut worden, eine Kulisse für den Fremdenverkehr, die nicht fertig geworden ist.

Weit gefehlt, sondern: Dem adeligen Bauherren ging schon vor Jahrhunderten das Geld aus. Und mit dem aktuellen Tourismus hat die Insel wenig im Sinn. Ihre Bewohner leben wie eh und je vor allem vom Fischfang und der Seefahrt. In einem eher nüchtern wirkenden zweiten Palast am Hafen ist – umgeben von Palmen und Bougainvilleen – die älteste Seefahrtsschule Italiens untergebracht.

Wer auf den sieben Weltmeeren zu Hause ist, der möchte daheim am liebsten in Ruhe gelassen werden. Was wiederum auch bedeutet, dass der Besucher auf Procida weder von aufdringlichen Händlern wie in Neapel oder Bauernfängern wie auf Capri und Ischia belästigt wird. So kann der neugierige Tourist erst einmal durch die steilen Straßen oberhalb des Hafens streifen, um in offene Werkstätten und kleine Läden hineinzuschauen und zu spüren, dass auf dieser Insel keine Hektik herrscht.

Der Weg wird steiler. Auf einem Platz mit Blick auf die andere Inselseite und tief unten den Fischerhafen von Corricella steht die Statue von Antonio Scialoia. Der würdevolle Herr im Biedermeier-Look war ein lokaler Held der italienischen Einheitsbewegung, des Risorgimentos. Darüber schrieb er – wenn wir die leicht verwitterte Inschrift richtig entziffern – ein Opernlibretto. Deutsche Bildungsbeflissene fühlen sich bestätigt: In Italien gehören große Oper und patriotische Gefühle zusammen.

Seite 1:

Briefträgertraum

Seite 2:

Seite 3:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%