Prozess um Tod von Michael Jackson
Panik am Sterbebett

Am zweiten Prozesstag gegen den früheren Leibarzt von Michael Jackson beschrieb ein Augenzeuge, wie die Kinder am Sterbebett in Tränen ausbrachen, während sie die Wiederbelebungsversuche beobachteten.
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Los AngelesIm Prozess gegen Michael Jacksons Leibarzt haben die Geschworenen Einzelheiten über den Schock und die Panik am Sterbebett des Sängers geschildert bekommen. Jacksons Kinder Prince (14) und Paris (13) hätten weinend miterlebt, wie der Arzt Conrad Murray verzweifelt versuchte, Jackson wiederzubeleben - Das gab Jacksons Sicherheitschef am Mittwoch, dem zweiten Prozesstag, vor dem Gericht in Los Angeles zu Protokoll. Nach der Aussage von Faheem Muhammad lag Paris „zusammengekrümmt und weinend“ auf dem Boden des Schlafzimmers. Murray ist wegen fahrlässiger Tötung angeklagt.

„Es schien so, als führte er eine Herz-Lungen-Massage durch“, sagte Muhammad über Murray. „Er wirkte sehr nervös, er schwitzte“, beschrieb der Angestellte die Szene. Der womöglich bereits tote Sänger habe mit offenen Augen schräg im Bett gelegen. Der Arzt habe aufgeregt gefragt, ob sich jemand mit Wiederbelebungsversuchen auskenne.

Jackson starb am 25. Juni 2009 im Alter von 50 Jahren an einer „akuten Vergiftung“ mit dem Narkosemittel Propofol gestorben. In dem Prozess soll geklärt werden, wer für sein plötzliches Ableben verantwortlich ist.

Der 58-jährige Murray habe „grob fahrlässig“ gehandelt und den Musiker mit einer Medikamentenüberdosis getötet, sagt die Anklage. Der Sänger habe seinen Tod selbst herbeigeführt, als er die starken Mittel ohne Wissen seines Arztes einnahm, kontert die Verteidigung. Im Falle eines Schuldspruchs drohen Murray vier Jahre Haft.

Jacksons früherer Assistent, Michael Williams, sagte am Mittwoch im Zeugenstand, der Sänger habe am Tag vor seinem Tod noch eine „tolle“ Konzertprobe gegeben. Er sei in bester Verfassung gewesen. Am folgenden Tag habe er von Murray einen Anruf erhalten, dass Jackson eine „schlechte Reaktion“ hatte. Er müsse sofort kommen. Als Williams in Jacksons Haus eintraf, habe der leblose Körper schon auf einer Trage gelegen - für den Transport ins Krankenhaus.

Mehrere Zeugen gaben ein recht widersprüchliches Bild über Jacksons körperliche Verfassung. Die Anwältin Kathy Jorrie, die damals den Vertrag mit Murray über dessen Einsatz bei den geplanten „This Is It“-Konzerten in London aushandelte, gab an, dass der Arzt unbedingt ein Herz-Lungen-Gerät für Jackson haben wollte. Gleichzeitig habe er ihr versichert, der Sänger erfreue sich bester Gesundheit.

Der Sicherheitschef Muhammad räumte ein, dass Jackson mehrmals pro Woche auch den Arzt Arnold Klein aufsuchte. Danach habe er oft „ein bisschen beduselt“ gewirkt, ohne dies jedoch zu erklären. Die Verteidigung will beweisen, dass viele Seiten Jackson mit starken Mitteln versorgt haben.

Der Richter hat vier bis fünf Wochen für den Prozess veranschlagt. Als weitere Zeugen werden Mediziner, Ermittler und Mitarbeiter Jacksons erwartet. Bei dem Verfahren sind Kameras erlaubt. Das Internet-Portal „Tmz.com“ überträgt die täglichen Verhandlungen live.

dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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