Public Viewing
Wie die Deutschen "Kiss me, Kate" gucken

Die Trauung im englischen Königshaus ist nur was für eingefleischte Briten? Da kennt man aber die deutschen Royalisten schlecht. Ein Besuch beim Public Viewing in Köln.
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KölnWer ein echter Royalist sein will, stattet sich an einem solchen Tag natürlich standesgemäß aus: So wie Volker und Stefan, die sich am heutigen „Wedding Day“ extra freigenommen haben, um die Hochzeit beim Public Viewing in der Kölner Kneipe „Kattwinkel“ live zu verfolgen. Die beiden Männer sind in ihrer eigenen Hochzeitskleidung - im Stile von Polo- und Cricket-Outfits - gekommen, um den beiden Königskindern stilecht zu frönen. In der einen Hand das Glas Sekt, in der anderen der originale Ablaufplan der Hochzeit: So verfolgen die beiden Kölner das Großereignis, dass jedes Monarchisten-Herz höher schlagen lässt. Neben England-Flagge und der „Kate-und-William-Gedenk-Münze“ haben die beiden Anhänger allen möglichen Nippes dabei, den sie im Internet erworben haben – sogar Kate-und William-Kondome. „Wenn es eine Möglichkeit gegeben hätte, wären wir schon gerne vor Ort gewesen“, sagt Volker, sieht das ganze dann aber recht pragmatisch: „Im Zweifel sehen wir das Brautpaar per TV wohl sowieso besser“.

Rund 50 Menschen haben sich im Lokal „Kattwinkel“ am Kölner Eigelstein versammelt, um dem kollektiven Taschentuch-Event des Jahres beizuwohnen. Betreiber Lothar Kosinski, 51, bezeichnet sich selbst als „nicht ganz ernstgemeinten Royalisten“. Auf die Idee gekommen, die Hochzeit auf der hauseigenen Großleinwand zu übertragen, war nicht er selbst. Vielmehr baten ihn seine Gäste darum. Und er sagte gerne zu. „Natürlich ist das auch eine gute Geschäftsidee“, bekennt der 51-Jährige. „Aber mir geht es vor allem darum, dass die Leute heute Spaß haben“.

Jetzt stehen im Kattwinkel auf der Theke stilecht englische Häppchen: Cheese Cottage, kleine Gurkensandwiches, eine blau-weiße Torte im englischen Stil. Auf Wunsch wird Tee in Union-Jack-Tassen serviert. Selbstverständlich ist der ganze Raum mit großen englischen Flaggen geschmückt, die dunkelroten Samtvorhänge tun ihr übriges, um die Königstreuen schwärmen zu lassen. Auf den Barhockern tummeln sich neben jungen Businessmen, Studenten und Rentner – viele haben sich blau-rote Accessoires angesteckt oder eine Fahne im Revers. So wie Karen Bick. Die Frau mit den kurzen blonden Haaren und den blauen funkelnde Augen, hat schon die Hochzeit von Diana und Charles verfolgt. Heute steht sie im selbst bedruckten T-Shirt mit dem Brautpaar auf der Brust und einer Fahne in der Hand vor dem großen Bildschirm und schwärmt: „Das ist wie ein wahr gewordenes Märchen“.

Egal, woher man kommt und was man macht – hier dreht sich heute alles nur darum, welches Kleid Kate trägt, ob Charles die Krone direkt an seinen Sohn weitergeben wird und wann wohl der königliche Nachfolger auf die Welt kommt. Gemeinsam gesungen wird auch: „Land of Hope und Glory“ wird auf der großen Leinwand eingeblendet, bevor die Trauung richtig los geht – und die Kölner-Royalisten schmettern die Hymne, was das Zeug hält.

Erster Jubel setzt unter ein, als die Queen gegen kurz vor zwölf im kanariengelben Outfit auf der großen Leinwand zu sehen ist. Ganz ruhig wird es erstmals als die bürgerliche Kate im cremefarbenen Hochzeitskleid aus dem Auto steigt. „Ein Traum von einem Kleid“, seufzt eine junge Frau. Während Prinz William und Miss Catherine Elizabeth Middelton in der traditionsreichen Kirche die etwas steife Zeremonie über sich ergehen lassen, verfolgen viele der Anwesenden die Reden und den Gesang in der Westminister Abbey andächtig im Hochzeitsprogramm. Andere sind etwas distanzierter, machen sich über die ausschweifenden Kopfbedeckungen der Adeligen und die knallrote Uniform von Prinz William lustig. Wieder andere warten auf ein paar Tränen des Paares - doch nichts passiert. Insgesamt „zu traditionsgeladen und zu nüchtern“, urteilt ein älterer Mann.

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Hobby-Royalisten in der Hauptstadt der Republik

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