Reisende leiden unter Verdi-Streik
Kein Schadensersatz für gestrandete Fluggäste

Für verpasste Termine und entgangene Urlaubsfreuden gibt es keine Entschädigung: Reisende, die auf Grund des öffentlichen Warnstreiks auf einem deutschen Flughafen festhingen, haben keinen Anspruch auf Schadensersatz. Allerdings können Nur-Flieger den Ticketpreis in voller Höhe von den Airlines zurückverlangen.

FRANKFURT HB. Wegen der Warnstreiks auf mehreren deutschen Flughäfen sind rund 300 Lufthansa-Flüge ausgefallen, davon allein 80 Starts und Landungen in Frankfurt. Auf diesen Flügen waren laut einer Lufthansa-Sprecherin 18 500 Passagiere gebucht gewesen.

Passagiere, die wegen der Verdi-Streikaktionen auf deutschen Flughäfen gestrandet sind, haben in doppelter Hinsicht Pech: Sie hängen fest und haben keinen Anspruch auf Schadenersatz wegen des Flugausfalls, möglicher Terminverspätungen, oder Mehrkosten, wie Kay Rodegra, Reiserechtler und Lehrbeauftragter der Universität Trier, erklärt.

Für die Folgen des Verdi-Warnstreiks müssen weder die Fluggesellschaften noch die Reiseveranstalter gerade stehen, betont der Würzburger Anwalt für Luftfahrtrecht. Geht fremdes Sicherheitspersonal in den Ausstand, streiken extern beschäftigte Flugzeugbetanker, Abfertiger oder Lotsen, liege das außerhalb ihres Geschäftsbereichs. Anders als beim Bahnstreik sind es nicht die eigenen Angestellten, die für die Blockaden verantwortlich sind. Die Airlines und Veranstalter sind selbst vom Chaos betroffen und können nicht haftbar gemacht werden - ein klarer Fall von „höherer Gewalt“.

Betroffene Passagiere, die allein einen Flug gebucht hatten, brauchen sich am Schalter gar nicht erst groß aufzuregen. Sie sollten wissen: Im Streikfall greifen die EU-Regelungen nur bedingt, wonach Flugreisende ein Recht auf Entschädigung haben. Die Verordnung in der Europäischen Union, die seit Anfang 2005 gilt, stellt Ausgleichszahlungen zwischen 250 und 600 Euro - je nach Strecke - in Aussicht, sollten Passagiere verspätet oder wegen Überbuchung gar nicht abfliegen können. Im Fall der höheren Gewalt fällt diese Entschädigungsmöglichkeit aber weg.

Pauschalurlauber, die erst mit vielen Stunden Verspätung starten oder landen können, haben immerhin die Möglichkeit, vom Veranstalter eine Reisepreisminderung einzufordern, erläutert Rodegra. Wer stundenlang auf dem Airport festsitzt, dessen Reisewert ist gemindert. Daraus ergibt sich ein Anspruch, der nicht vom Verschulden des Veranstalters abhängt.

Die Mühe dürfte sich aber nicht immer lohnen: Die gängige Formel nach der so genannten Frankfurter Tabelle zur Berechnung der Preisminderung ist kompliziert: Betroffene bekommen fünf Prozent des anteiligen Reisepreises für einen Tag zugesprochen, ab der 4. Stunde. Konkret kann das bedeuten: Wer 1.000 Euro für 10 Tage Pauschalurlaub gezahlt hat, muss die ersten vier Stunden Warterei am Flughafen noch hinnehmen. Danach hätte er Anspruch auf fünf Euro pro Stunde Verspätung.

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