Reisetipp
Zerren, bis der Fisch kommt

Angeln macht Spaß und entspannt, Hochsee-Angeln vor den "Zwölf Aposteln" am Kap der Guten Hoffnung erfordert zudem Kraft und Ausdauer.

Irgendwo in 18 oder 20 Meter Tiefe zerrt irgendwas am Angelhaken. Die untrainierten Arm- und Bauchmuskeln drohen zu erschlaffen. "Du musst kurbeln, immer nur kurbeln", ruft Angelnachbar Stuart Henshilwood und macht es vor. Profi Stuart hat gut Ratschläge geben. Alles, was er selbst im Augenblick aus dem Atlantik zieht, ist kaltes Wasser. Einer der Fische da unten ringt mit Stuarts Nachbarn, also mit dem Angler da oben. Der ist nichts als ein blutiger Anfänger. Aber er zieht und zerrt, als ginge es um Wichtiges. Die Kurbel geht ihm dabei immer schwerer von der Hand, als hätte sie sich verklemmt.

Schon wähnt sich der Novize auf der Charteryacht "Beast" als eine Kreuzung aus Hemingway, Kapitän Ahab und dem "Alten Mann und das Meer". Da zappelt die Wahrheit ans Tageslicht. Ein glubschäugiger, unglaublich hässlicher Fisch hängt an der Leine, tomatenrot und so unansehnlich, dass dem Anfänger ganz flau wird. "Das ist eine Art Kabeljau, ein Tomatenfisch, wie die Leute hier sagen", erklärt der Kapstädter Grant Scholtz, der wochentags Werbefachmann ist und am Wochenende ein passionierter Fischer und Angler.

Und noch einmal. Der Anfänger schwingt die Angelrute leicht mit der Richtung des Wellenschlags und löst die Rolle, damit die Schnur mit dem Haken sinken kann. Sobald die Rolle abgeribbelt ist, der Angelhaken fast Grund erreicht hat, ruckelt und zerrt er an der Rute, um den Haken zum Tanzen zu bringen und das Fischvolk da unten neugierig und närrisch zu machen.

Am Ende des Tages wird der Fang aus ein paar "Snoeks" bestehen. Das sind Schlangenmakrelen, die klassischer Bestandteil der südafrikanischen Küche sind. Vor dem Grillen, sagt eine Begleiterin, würden die "Snoeks" mit Aprikosenmarmelade eingerieben, was dem Geschmack eine pikante Note verleihe.

Sean Amor, der Chef an Bord, lässt die durchaus luxuriöse und kraftvoll motorisierte "Beast" über und gegen die Wellen hüpfen, immer entlang der Küstenlinie vor dem Höhenzug "Zwölf Aposteln" - einem Ausläufer des Tafelbergs südwestlich von Kapstadt. Der dreizehnte Jünger muss ein Radfahrer sein. In diesen 25 Grad warmen Februartagen fegen Hunderte von professionell durchgestylten Radsportlern trainingsfleißig über die Seitenstreifen der Küstenstraße "Chapman?s Peak Drive" entlang dem Atlantischen Ozean, die bei Smitswinkel auf die False Bay führt, auf der östlichen Seite der Kap-Halbinsel.

Sie bereiten sich auf die Teilnahme am "Argus Race" Mitte März vor. Das ist ein 105-Kilometer-Radrennen, das Jahr für Jahr rund 40 000 Teilnehmer anlockt. Für Radnärrische das, was Marathonläufer normalerweise mit New York verbinden. Dabei bietet Kapstadt selbst mit dem "Two Oceans Marathon" ein Sportereignis, das Kultcharakter gewinnen könnte. Wenn es sich nicht über lange 56 Laufkilometer erstrecken würde und über viele ziemlich kraftraubende Höhenmeter.

Hier auf dem Atlantik, zwei, drei Meilen von der Höhenstraße entfernt, sind die Trainingsfleißigen nur mit dem Feldstecher auszumachen. Zu sehen ist aber auch, dass sie sich über Höhen und durch die Hitze kämpfen müssen, um nur ein paar Kilometer voranzukommen. Unser motorisiertes "Beast" hingegen zieht mit straffen 20 Knoten durch den Atlantischen Ozean - und wird doch immer mal wieder von Delfinen überholt, die sich mit dem Schiff messen möchten.

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