Ruby-Rummel: Welle der Entrüstung zum Opernball

Ruby-Rummel
Welle der Entrüstung zum Opernball

Es wird wohl ein Opernball der Extreme: Während sich die Organisatoren um Hochkultur bemühen, stiehlt Richard Lugner mit Berlusconis "Bunga-Bunga"-Bekannter Ruby allen die Aufmerksamkeit. Droht dem Ball der Moralverfall?
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WienDieser Skandal könnte aus der Kaiserzeit stammen. Die gute Wiener Gesellschaft zittert vor Entrüstung. Ein bildhübsches „leichtes Mädchen“ aus Italien bedroht mit seinem Besuch an der Seite eines alternden Unternehmers die Ikone der österreichischen Handkuss- und Glamourwelt: den Wiener Opernball. „Pietätlos“ sei das, so wird geschimpft, ein „Sittenverfall“. Die Warnung vor einem „Logen-Strich“ geistert durch die Öffentlichkeit. Die skandalträchtige Dame selbst gibt sich am Mittwoch trotz des Trubels recht entspannt: „Walzer tanzen kann ich nicht, ich kann nur bauchtanzen“, gesteht Ruby, 18 Jahre alt, vor Journalisten. Der Society-Löwe Lugner nimmt Ruby als bezahlte Begleitung mit in seine Loge. Dort gesellen sich dann noch die Schauspieler Larry Hagman („Dallas“) und Zachi Noy („Eis am Stil“) zu seinem Familienclan, zu dem auch seine aktuelle, mehr als 50 Jahre jüngere Freundin „Katzi“ gehört.

„Ein glückliches Land, fürwahr, in dem solches zur Staatsaffäre wird“, schreibt das Nachrichtenmagazin „Profil“ nüchtern über die Aufregung, die der Besuch von Berlusconis „Bunga-Bunga“-Bekannter auslöst. Mit 217 Nennungen schlägt der Urheber des Ruby-Coups, Society-Löwe Richard Lugner, in Österreichs Medien nach Rechnung des Magazins in den Tagen davor klar alle Politiker. Seine Plan ist also aufgegangen. An dem Klatschspalten-Dauergast prallt wie immer alle Kritik ab: „Sie ist absolut nett und gescheit“, sagt er bei der Ankunft von Karima El Mahroug. Es gebe keinen besseren Gast.

Das freilich sehen viele in Österreich anders. „Das ist aber jetzt die größte Peinlichkeit, die Herr Lugner jemals gemacht hat. Es ist traurig, beschämend und pietätlos“, schimpft Opernball-Chefin Desiree Treichl-Stürgkh und droht dem Baumeister mit Logenverlust im nächsten Jahr. Mit der Einladung eines Escort-Girls sei der Opernball nach Jahren des Sinkflugs auf dem Boden der Geschmack- und Bedeutungslosigkeit gelandet, jammert ein Kolumnist des Magazins „News“.

Der Programmdirektor des öffentlich-rechtlichen Senders ORF, Wolfgang Lorenz, ordnete gar Zensur an. Die Mitarbeiter mögen das Fest „nicht zum Nuttenball umfunktionieren“ schrieb er in einer internen Mail, die Medien öffentlich machten. Der Opernball sei ein Künstlerball und der „Versauung des Opernballs durch Mini-Berlusconis“ sei Einhalt zu gebieten, wetterte er. Gerade eine öffentlich-rechtliche Anstalt sei da in der Pflicht. „Ich spreche der Dame nicht jede Art von Künstlerschaft ab, wenn auch auf anderen Gebieten.“

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