Ruhe bitte! Monica Maltempi: Keine Zeit zum Träumen auf Roms Straßen

Ruhe bitte! Monica Maltempi
Keine Zeit zum Träumen auf Roms Straßen

Monica Maltempi regelt mit großer Eleganz den Verkehr auf der Piazza Venezia in Rom – ein Hochleistungssport, bei dem sie immer konzentriert sein muss. Entspannung hat für sie einen Namen.
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30 Minuten dauert mein Einsatz jeweils. 30 Minuten, die es in sich haben. Immerhin dirigiere ich im Herzen von Rom, mitten auf der Piazza Venezia, den Verkehr. Ampeln gibt es hier keine, aus vier Richtungen strömen Autos, Motorräder, Busse. Als Stadtpolizisten tragen wir auch als Frauen zur dunkelblauen Uniform mit den goldenen Knöpfen ein weißes Hemd mit Krawatte. Ich finde selbst, dass das Outfit sehr schick aussieht. Die Touristen zücken da gern mal ihre Handys, um ein Foto zu machen.

Meine Trillerpfeife ist mit einem Kettchen an der Schulterklappe festgemacht und steckt in der Uniformtasche. Die weißen Handschuhe ziehe ich erst an, wenn ich mitten auf dem Platz stehe. Dann erst geht’s los. Die Gesten, mit denen ich die Autofahrer durchwinke oder ihnen „Stopp“ signalisiere, haben wir geübt – da muss jede Bewegung sitzen.

Wir sind übrigens immer zu dritt im Einsatz und lösen uns alle halbe Stunde ab. Die anderen beiden stehen dann an der Ecke des Corso und am Fußgängerübergang an der Via del Plebiscito und assistieren. Kollegialität ist sehr wichtig, besonders wenn es gegen Abend richtig voll wird. Ab 18 Uhr wird die Sperre für die Innenstadt aufgehoben, dann dürfen alle ins Zentrum von Rom.

Beim ersten Mal allein auf der Piazza war ich sehr aufgeregt und gestresst, aber es hat dann doch alles gut geklappt. Mittlerweile macht es mir richtig Spaß, auch wenn man natürlich keine Zeit zum Träumen hat. Das ist wie Hochleistungssport, ich muss immer konzentriert sein. Natürlich kriege ich es trotzdem mit, wenn mir ein Taxifahrer oder ein junger Mann auf dem Motorrad zuwinkt oder eine Kusshand schickt – Zeit zum Flirten habe ich aber wirklich nicht. Das Einzige, was mich stört auf der Piazza Venezia, ist die Sonne, die vor allem im Sommer in die Augen sticht. Und wir müssen den ganzen Tag stehen. Dafür halte ich mich mit Schwimmen fit.

Dieser Text ist entnommen aus dem Handelsblatt Magazin N° 3 – Mai 2017. Weitere Themen im neuen Heft sind u.a.:

  • Was ist schön? Schönheit ist ein globales Milliardengeschäft. Doch wer bestimmt eigentlich, was gerade gut aussieht?
  • Der Moden-Macher: Vom McKinsey-Berater zum Fashion-Machtfaktor – die steile Karriere des Imran Amed
  • Documenta: Was die Besucher des Kasseler Teils der Ausstellung erwartet
  • Reichtum aus dem Bilderbuch: Opulenter Bildband über das moderne Vermögen
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    Das Hobby, das mich wirklich entspannt, wenn ich nach Hause komme und die Uniform ausgezogen habe, heißt aber Simone. Das ist mein Sohn, er ist zwei. Und nichts ist beruhigender, als mich mit ihm zu beschäftigen.

    Schon mein Vater war bei der Polizia Roma Capitale, meine ältere Schwester ebenso. Wir waren 10.000 Bewerber für 300 Stellen! Sechs Monate dauerte dann die Ausbildung. Seit 2009 bin ich Polizistin Nummer 14 125, so steht es auf meiner Kennmarke. Und eine von 5.800 Ordnungskräften in Rom – immerhin fast die Hälfte davon sind Frauen. Auch schön, oder?

    Aufgezeichnet von Regina Krieger

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