Safari: Jagdszenen vor dem Liegestuhl

Safari
Jagdszenen vor dem Liegestuhl

Unter luxuriösen Pfahlbauten breitet sich in Botsuanas Okavango Delta eine einzigartige Landschaft aus - animalische Bühnenstücke mit Raubtieren inklusive.

Anderthalb Flugstunden sind es von Johannesburg oder von Windhoek bis ins botsuanische Städtchen Maun, das mit seiner 2 000 Meter langen Runway die Eintrittskarte ins Paradies der Wildtiere verkauft. Vor dem Terminal parken Dutzende Ein- und Zweimotorige. Viel Zeit zum Verschnaufen bleibt ihnen nicht, denn im Shuttle-Takt sorgen die flotten Buschflieger für den Gästeaustausch der Lodges da draußen, was den emsigen Flugbetrieb zwischen Mauns Zapfsäulen und den abgelegenen Pisten der Wildnis erklärt.

Dreißig Flugminuten sind es von hier bis nach Xigera, unserer ersten Insel in der Moremi Game Reserve. Das nach Batawana-König Moremi III. benannte Schutzgebiet ist das Filetstück des Okavango-Deltas und mit 5 000 Quadratkilometer Fläche zehnmal so groß wie der Bodensee. Mit seinen Feuchtgebieten, Trockeninseln, bewaldeten Flussauen, Marschen, Lagunen und Wasserstraßen zählt Moremi zu den begehrtesten Reisezielen Botsuanas.

Unten ziehen glitzernde Wasserflächen vorbei, durchbrochen von Bauminseln, dann wieder halbtrockene Areale, die wie gepflegte Golfplätze aussehen, aber hier und dort von Hufspuren dick durchzogen sind. Schon der Anflug gerät zur Safari: Würdevoll stolzieren Giraffen dort unten, Elefantenherden durchziehen plantschend das Nass, Flusspferdfamilien dümpeln als dicke Fleischklöpse im Wasser. Von den bis zu sechs Meter langen Nilkrokodilen lässt sich von oben allerdings nicht mal etwas erahnen.

Das Wilderness-Camp „Xigera“, das keine Umzäunung vom Tierleben trennt, steht deshalb auf Pfählen und ist zwischen Phoenix-Palmen, Mangosteen- und Jackalberry-Bäumen versteckt, in deren Blätterwerk akrobatische Paviane Affentheater veranstalten. Zehn Safari-Zelte auf hölzernen Plattformen sind eigentlich Baumhäuser und durch aufgestelzte Laufstege mit der reetgedeckten Lodge verbunden.

Am nächsten Tag geht es im „mokoro“ durch ein Gewirr von Wasserstraßen. Der ausgehöhlte afrikanische Ebenholzbaum sieht aus wie ein echtes Einbaum-Kanu, ist aber aus Kunststoff. Damit hundertjährige Marula-Riesen, Ebenholz und Sambesisches Teak, die als „mokoros“ nur ein paar Jahre alt werden, noch lange weiterleben. Fiberglas halte ewig, erklärt Teko, und dass Ökologie in der umsatzstarken Wildnis Botsuanas kein Fremdwort ist. Bis zu vier Meter hohe Papyrusstauden, wucherndes Schilfgras und dichtes Buschwerk prägen die Uferlandschaften, die lautlos am Einbaum vorbeiziehen. Fischadler und Reiher steigen mit klatschenden Flügelschlägen auf, ein Krokodilmonster gleitet unbemerkt und wie in Zeitlupe ins Wasser.

Teko:mbwe Ketlogetswe, 48, aufgewachsen im Delta und ein erfahrener Wildlife-Experte, kennt jeden Dezimeter seiner Umgebung. Als kleiner Junge hat er seinen Namen in einen Affenbrotbaum geritzt und davon geträumt, die wilden Tiere zu beschützen. Tatsächlich zeigt die verwitterte Inschrift eines Breadfruit Trees Tekos Namen. Wie alle botsuanischen Wildlife-Guides trägt auch er keine Waffe, obwohl es manchmal ernst werden kann hier draußen. In diesem Augenblick zum Beispiel, wo sich die Stille in einem Sekundenbruchteil in ihr Gegenteil verkehrt: Wie der leibhaftige Teufel taucht ein Flusspferd-Koloss aus dem aquatischen Untergrund auf, grotesk geschmückt durch diverse Seerosengardinen, und bringt das schmale Boot beinahe zum Kentern.

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