Scheidung an Wall Street
Schmutziger Rosenkrieg im Drogensumpf

Drogen, Fremdgehen, Rache: Das begeistert nicht nur Nachmittagsfernsehgucker, sondern auch die Wall Street. Ein Scheidungskrieg macht Investmentbanker Sage Kelly zum wahren „Wolf of Wall Street“ – und nervt dessen Firma.
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New YorkStell dir vor, es ist Drogentest – und alle gehen hin. Was bisher für Banker ein Witz war, ist an der Wall Street plötzlich Ernst geworden. Die New Yorker Investmentbank Jefferies berichtet in einem Rundschreiben an Kunden und Freunde davon, wie das Führungsduo seine Healthcare Investment-Abteilung zum „freiwilligen“ Kokaintest abholt.

„Wir machen jetzt einen Drogentest, macht ihr mit?“, fragten Jefferies-CEO Richard Handler und Verwaltungsratschef Brian Friedman demnach. Dabei war zuvor nicht einmal jemand mit einer Tüte Koks erwischt worden. Aber Gerüchte über Exzesse im Umfeld des Abteilungsleiters Sage Kelly machen Jefferies zu schaffen.

Alles nur, weil dessen Noch-Ehefrau Christina vor Gericht auspackt – und dabei fast 20 Namen von Bankern und Biotech-Größen nennt, die zusammen mit ihrem Mann regelmäßig und extrem über die Stränge geschlagen haben sollen. Kokain war dabei demnach nur eine Droge unter vielen.

Der eidesstattlichen Erklärung seiner Exfrau zufolge hielt Sage Kelly im Sommer 2011 einen „Mushroom Day“ in ihrem Sommerhaus in den Hamptons ab. Dabei soll er bereits um 11 Uhr morgens so außer Rand und Band gewesen sein, dass seine Partyfreunde aus der Finanzbranche die Tüte mit den psychoaktiven Pilzen versteckten.

Doch kurz darauf soll Kelly ihnen von draußen entgegengekommen sein, sein Gesicht mit einem Streifenmuster aus Blut bemalt und triumphierend: „Ich habe die Tüte gefunden!“ Die damals sechsjährige Tochter des Paares soll die Szene mitangesehen haben. Deshalb berichtet Christina Kelly jetzt davon: Sie will darlegen, warum ihr Ex als Vater nicht taugt.

Im Juni 2014 reicht Sage Kelly die Scheidung ein; Christina erfährt davon eigenen Angaben zufolge aber erst Ende Juli. Unterdessen hatte Sage heimlich Kameras in der gemeinsamen Fifth-Avenue-Wohnung einbauen lassen.
Vor Gericht führt er kurz darauf Bilder einer trinkenden, koksenden Christina Kelly als Beweismaterial vor, um das einstweilige Sorgerecht für die Kinder an sich zu reißen. Das gelingt. Im Oktober reicht Christina Kelly Gegenklage ein – mit einem 26-seitigen Papier voller Sex, Drugs – und Inkontinenz.

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  • Scheidungen müssen nicht immer schmutzig sein.
    Oft wurde nur an vorsorglicher Arbeit gespart.

    Sobald der/die Partner(in) sich (unzulässige) Vorteile sichern möchte, wird meist mit Dreck geworfen.

    Dann rächt sich das Vertrauen, die Komplizenschaft und die schlechte Planung für den Fall der Trennung.

    In USA ist die Lage ohne vorherig abgeschlossene schriftliche ausführliche Regelungen kaum in den Griff zu bekommen.

    Denn ohne Vereinbarung zählt, was das Gericht so meint, was angemessen wäre bei Abfindung, Unterhalt und Sorgerecht. Man ist in Gottes und der Anwälte Hand - fürchterlich.

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