Schlangen bis zum Parkhaus
Weiterhin Chaos in Heathrow

Der britische Luftverkehr war am Wochenende durch die strengen Sicherheitskontrollen weiterhin stark beeinträchtigt. Vor allem auf Europas größtem Passagierflughafen London-Heathrow fielen weiterhin zahlreiche Flüge aus, Urlauber verpassten ihre Flugzeuge und lange Schlangen legten die Terminals lahm.

LONDON.Die Chefs großer Fluggesellschaften übten ungewöhnlich harsche Kritik am Flughafenbetreiber BAA. Sie forderten die Regierung zum Einschreiten auf, damit sich der Flugverkehr schnell wieder normalisieren könne

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In Heathrow, wo an normalen Tagen rund 200 000 Passagiere abheben, stauten sich die Schlangen der Fluggäste bis in die Parkhäuser. BAA stellte Zelte vor den Terminals auf, damit die Wartenden wenigstens im Trockenen standen. Der Sonntag entwickelte sich hier zum vierten Chaos-Tag. Laut BAA fielen erneut rund 30 Prozent der Flüge aus. Auch auf den vor allem von Urlaubsreisenden genutzten Flughäfen Gatwick und Stansted waren die Flugpläne Makulatur. Viele Reisende erlebten, dass ihr Gepäck eingecheckt wurde, sie aber wegen der langwierigen Sicherheitschecks nicht mehr rechtzeitig an Bord kamen.

„Das Gepäcksystem in Heathrow schafft es nicht, alle Taschen der Passagiere zu befördern und dort wo Passagiere ihre Taschen einchecken konnten, haben die langen Schlangen in der Sicherheitskontrolle verhindert, dass die Passagiere rechtzeitig zum Abflug zu den Gates kamen“, berichtete Willie Walsh, Chef von British Airways. BAA schaffe es unter den neuen Bedingungen nicht, einen robusten Service zu leisten.

Ryanair-Chef Michael O’Leary rief die Regierung um Hilfe an. „Ryanair und andere große Fluggesellschaften können nicht weiterhin Flüge streichen und die Reisepläne zehntausender Passagiere stören, nur weil BAA nicht mit den neuen Sicherheitsbestimmungen klar kommt“, klagte er. „Wenn es die Regierung damit ernst meint, dass die Terroristen nicht unser Alltagsleben stören dürfen, muss sie für zusätzliches Sicherheitspersonal sorgen“, sagte er und forderte den Einsatz von Polizisten oder Armeereservisten.

„Die gegenwärtigen Sicherheitskontrollen sind nicht dauerhaft durchzuhalten“, warnte hingegen Tony Douglas, der für BAA den Flughafen Heathrow führt. Lange Schlangen und Flugausfälle seien so nicht zu vermeiden. Auch Innenminister John Reid, der die Terrorfahndung beaufsichtigt, räumte ein, dass das gegenwärtige Niveau an Kontrollen zeitlich begrenzt sein müsse.

Die Regierung hatte am Donnerstag zeitgleich mit einer umfassenden Razzia gegen Terrorverdächtige angeordnet, dass Reisende kein Handgepäck mehr mit an Bord nehmen dürfen. Nur Unabdingbares wie Geldbörse, Reisedokumente und notwendige Medikamente dürfen in einem Klarsichtbeutel mit an Bord. In den Sicherheitsschleusen wird jeder einzelne Passagier von Hand abgetastet, muss Schuhe ausziehen und Gürtel ablegen.

Dirk Hinrich Heilmann
Dirk Heilmann
Handelsblatt / Chefökonom
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