Schlittenhunde sind näher am Wolf als andere Hunde: Hundstage

Schlittenhunde sind näher am Wolf als andere Hunde
Hundstage

Prasselnd schleudert der Sturm eine Salve eiskalten Regen gegen die dünne Plastikhaut des Wohnwagens. „Da ist dieses Alaska-Gefühl“, sagt der Mann in der dunkelblauen Schneehose gerade, um zu erklären, warum er hier mit einem Dutzend anderer an einem schmutzigen Schneehang am Ortsrand aushält.

Sie warten auf Minusgrade und eisblauen Himmel. Sie warten auf das Gefühl wie am Yukon in Kanada oder in Alaska/USA: durch die Wälder jagen, lautlos über schneefunkelnde Weiten, nur das Knirschen der Schlittenkufen und das Hecheln der Meute im Ohr. Das wär’s – jedenfalls wenn hier Alaska wäre und nicht der Ortsrand von Clausthal-Zellerfeld im Harz, wo regelmäßig im Februar Qualifikationsrennen für Hundeschlitten stattfinden.

Die exotisch anmutende Fortbewegung auf einem Gefährt, das von vier bis 16 Hunden gezogen wird, ist längst nicht mehr auf Kanada oder Sibirien beschränkt. Rund 2 000 Musher, so der aus der franko-kanadischen Tradition stammende Ausdruck für Schlittenlenker, gibt es auch hier zu Lande. Alljährlich veranstalten sie etwa 40 Rennen.

Frei laufen lassen ist bei Schlittenhunden nicht drin, der Jagdtrieb ginge mit ihnen durch. Doch die schnellen Sibirischen Huskies mit ihren hellblauen Augen, die wuchtigeren Alaskan Malamutes, die schneeweißen Samojeden aus dem Ural und die Grönlandhunde – das sind Rassen, die natürlich jede Menge Bewegung brauchen. Die bekommen sie bei Ausflügen im Gespann bis zu 20 Kilometer mehrmals wöchentlich – Trainingsläufe für die Rennen, von denen das in Clausthal-Zellerfeld eines der wichtigsten ist.

Doch nun droht es buchstäblich ins Wasser zu fallen. Vor Tagen noch lag Neuschnee kniehoch, und die „Arbeitsgemeinschaft Schlittenhund“ rechnete mit besten Rennbedingungen. Seither aber taut, trieft und tropft es allerorten.

Orkanböen fegen nasse Nebelfetzen über Tannenwälder, und es ist, als wolle das viel besungene Spukgebirge seinem Ruf alle Ehre machen. Schon der aus der Göttinger Enge in den Harz entkommene Heinrich Heine schmiedete hier Verse von flüchtenden Nebeln beim Hahnenschrei und Tannenfingern, die nachts an Fenster klopfen.

Während bei den Musherinnen und Mushern zumindest der Regen gegen Wohnwagen-Luken trommelt, gehen sie von heißem Tee zu dunklem Bier über und hoffen auf besseres Wetter.

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