Schloss mit Geschichte
Die deutsche Demokratie feiert (sich)

Alte Geschichte, neues Ziel: Zum 175-jährigen Jubiläum öffnet das renovierte Hambacher Schloss an Pfingsten wieder. Die „Wiege der Demokratie“ ist, nach einem Jahr Umbau, auch für Rollstuhlfahrer und Kinderwagen bis in die oberen Etagen zugänglich.

Martin Sona, der Steinmetz in der klassischen Kluft, schiebt ein wenig die Krempe seines ausladenden Schlapphuts in den Nacken und korrigiert sachte Fugen zwischen den Sandsteinquadern des Treppenhauses. Abschluss- und Kontrollarbeiten am ersten von zwei Bauabschnitten, die der Runderneuerung des Hambacher Schlosses dienen sollen.

So können jetzt Rollstuhlfahrer und Kinderwagenfamilien mit einem Fahrstuhl in die oberen Etagen des Schlosses gelangen, das für viele als „Wiege der deutschen Demokratie“ gilt. Darüber hinaus ist das Schlossinnere auf behutsame Weise aus- und umgebaut worden – angefangen von Gebälk und Mauerwerk des Foyers bis hin zum Museumsshop oder zur Schlossgastronomie. Das alles eingemauert in „Pfälzer Sandstein“, dessen Farbvariationen zwischen Rosa, Hellrot, Grau und fast Weiß dem Schloss im Inneren wie vom Äußeren her eine eigene Identität und Stimmung geben.

Pfingstsonntag, am 27. Mai, soll das Schloss, dessen Inneres ein Jahr lang fürs Publikum gesperrt war, feierlich wieder eröffnet werden. Im Rahmen der „Hambacher Anstöße“ werden dann Politprominente über eine „europäische Verfassung“ und die „Volkssouveränität“ räsonieren. „Die jungen Revoluzzer“ werden Flugblätter bedrucken, natürlich im pädagogisch korrekten Rahmen eines Kinderfestes, das zum 175. Jahrestag des Hambacher Festes gefeiert wird. Zu diesem Anlass soll es auch zu Produktion und Druck einer „Hambacher Festzeitung“ kommen – eine schöne Reverenz vor den ursprünglichen Initiatoren, die mit der Gründung eines „Preßvereins“ die Zensur abschaffen wollten.

Damals, am 27. Mai 1832, zogen mehr als 30 000 Menschen auf das Hambacher Schloss bei Neustadt in der Pfalz, um für politische Freiheit, nationale Einheit und einen Bund freier Staaten in Europa zu demonstrieren.

Dem Freiheitsmarsch der Deutschen hatten sich auch Abordnungen aus Frankreich und Polen angeschlossen, um für ein „conföderiertes republikanisches Europa einzutreten“. Letztlich scheiterten die Teilnehmer, zunächst wenigstens.

In der Pfalz und anderswo obsiegte die Restauration, Pressefreiheit, Versammlungsfreiheit und Meinungsfreiheit bleiben eingeschränkt. „Jene Hambacher Tage“, klagt Heinrich Heine, „waren der letzte Termin, den die Göttinn der Freyheit uns gewährte ...“

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