Schönes Wochenende
Basel: Eine Art Metropole

Auf den ersten Blick gehört Basel nicht zu den malerischsten Städten. Wer aber am Osterwochenende mit eiersuchgeschultem Auge durch die Stadt im Dreiländereck streunt, der wird allerdings einiges entdecken.

Schrecklich, wenn eine Stadt einen Vornamen bekommt. Jenseits des Atlantiks kennt man Basel jedenfalls nur mit dem Präfix „Art“. Seit die Kunstwelt die Stadt im Dreiländereck okkupiert hat, scheint es neben dem jährlichen Mega-Event nur noch den Dornröschenschlaf zu geben, unterbrochen von einigen weltstädtischen Momenten. Zum Beispiel, wenn man eine gewisse Affinität zu Feinem und Mechanik hat. Dann ist man hier gerade im April zur Uhrenmesse „Baselworld“ gut aufgehoben. Sich kunstvoll zu dekorieren ist schließlich auch eine Wesens-Art.

Wer durch die Stadt im Dreiländereck streunt, der wird einiges entdecken. Zunächst Offensichtlich-Beschauliches: Der Marktplatz ist solch ein Kleinod. Aber auch das Hotel „Le Trois Rois“ direkt am Rhein ist eine romantische Pretiose. Eine mit schiefen Treppen. Denn das Haus – eines der ältesten Hotels in Europa – fungiert seit 1681 als Herberge. Letztes Jahr ist das sorgfältig renovierte Gebäude neu eröffnet worden, mit einer Prise Glamour in den alten Hallen: Die Suite hat einen Whirlpool – auf dem Dach. Gäste wie die Rolling Stones werden es danken, den anderen reicht in der Regel die herrliche Terrasse am Rhein.

Wem der Ausblick nicht genügt, dem empfiehlt der Hausherr Rudolf Schiesser die Fondation Beyeler, einen Renzo-Piano-Bau. In der tollen Hülle hängen die Seerosen von Monet. Und vor der Glasfassade liegt ein echter See, auf dem wiederum Seerosen blühen. Vision und Wirklichkeit in einer Sichtachse – von einem weißen Ledersofa aus zu genießen.

Dass in Basel einiges im Verborgenen blüht, zeigt ein Ausflug ins monumentale Schaulager, das die Architekten Herzog & de Meuron gestaltet haben. Beide sind Basler und haben in den vergangenen Jahren Projekte an Land gezogen, mit denen sich zehn Büros einen Namen hätten machen können. Aber auch in ihrer Heimatstadt kann man H&de-M-Bauten aufstöbern: das Bürohaus Elsässertor am Bahnhof, im St.-Johanns-Viertel das Institut für Spitalpharmazie oder das Stadion im St.-Jacob-Park.

In Weil am Rhein sollen die In-Architekten auch einen Neubau gestalten, einen neuen Trakt des Vitra-Design-Museums, in dem der Museumsshop und das Café untergebracht werden sollen. 2009 soll das Gebäude fertig sein. Aber auch jetzt lohnt sich der einstündige Ausflug: Aus den Fenstern des klösterlichen Betonkubus von Tadao Ando sieht man die Kirschen blühen. Der japanische Architekt hat sie extra pflanzen lassen, und gerade um diese Zeit sieht man warum.

Und nach dem optischen der lukullische Genuss. Statt Artistenkeller allerdings Erlkönig. So heißt das Restaurant unserer Wahl. Es ist, wie jedes seiner Art in Basel, unglaublich teuer, bietet aber Qualität, so dass die Investition nicht reut. Auch der Drink danach, im Aqua, läuft nicht unter der Kategorie „Schnäppchen“, aber das Schweizer Geld und dessen Wert schätzen, muss an dieser Stelle wohl nicht vertieft werden. So hat jeder seine Lebens-Art.

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