Sechstägige Flussfahrt
Birmas großer Strom hinterlässt Spuren

Ein Tag auf dem Fluss Irawady beginnt früh. Kurz vor Sonnenaufgang nimmt unser Boot Geschwindigkeit auf. Im Blau des Morgens liegt noch Nebel, durch den die Umrisse der weißen oder goldenen Pagoden am Ufer einfach, sanft und würdevoll wirken. Flöße, beladen mit Edelholz, ziehen vorbei.

Unsere Flussfahrt führt durch ein weithin unentdecktes Land, in dem freundliche Menschen leben, die vom Tourismus kaum erreicht wurden. Wir sind in Birma, auf einem Teakholzschiff, der „Amara“. Sie befährt den großen Strom flussaufwärts in sechs Tagen. Diese Reise beginnt in der alten Königsstadt Mandalay mitten im Land und endet erst nach 483 Flusskilometern in der weltfernen Provinzstadt Bhamo, nur 45 km von der chinesischen Grenze entfernt.

Dass es dazu kam, hat viel mit der schönen Burmesin Kalayar zu tun und mit ihrem Mann, dem Münchener Gerald Schreiber. Beide lernten sich vor acht Jahren kennen und leiten heute das Unternehmen „Myanmar Bavarian Travels & Tours“. Ein Teakschiff bauen zu lassen, das groß genug für gelassenen Luxus ist und klein genug, um auf dem flachen Fluss mit seinen Sandbänken bis nach Bhamo zu kommen – das war Geralds Idee. Ein weiterer Münchener, Hellmut Kirchner, half bei der Finanzierung. Und Kalayar setzte den Plan um.

Der Fluss Irawady ist die Hauptschlagader Birmas. Stromabwärts herrscht reger Schiffsverkehr zwischen Mandalay und der Hauptstadt Rangun (Yangon). Die Frage, ob ein von einer unbarmherzigen Militärjunta regiertes Land überhaupt besucht werden sollte, lässt sich etwas leichter mit Ja beantworten, jedenfalls an Bord der „Amara“: An birmanische Waisenhäuser der Jürgen-von-Jordan-Myanmar-Foundation geht die Hälfte der Einkünfte, die mit den Flusstouristen erwirtschaftet werden.

Braun, breit und behäbig strömt der Fluss dahin. Buschlandschaften, Dörfer und Felder – sie ziehen in immer gleichen Farben und Formen vorbei, wie in einem stillen, nie abreißenden Film. Wir sehen, wie die Menschen, die in den Pfahlhäusern aus Bambus und Schilf leben, in der Dämmerung ihr Tagwerk beginnen: Ein Bauer führt den Ochsenpflug, Fischer klettern in die kleinen Kähne, am Ufer balancieren Frauen Körbe mit Heu auf den Köpfen.

Seite 1:

Birmas großer Strom hinterlässt Spuren

Seite 2:

Seite 3:

Seite 4:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%