Serra Verde Express
Mut zur Muße

Wäre es Meer, die Wellen stießen an den Himmel, Schiffe trieben über endlose Hänge strudelnden Grüns, Reisende blickten kilometerweit über fließende Täler. Bis zum nächsten steilen Hang eines Brechers, dessen Gischt in den Wolken verschwindet – Mit dem Serra Verde Express erleben Sie hundert Jahre brasilianische Einsamkeit.

MORRETES. Es ist kein Meer, das dort draußen vor dem großen Bullauge vorbeizieht, es sind Berge, die nur nach der nahen See benannt sind: Serra do Mar, Meeresgebirge, so heißt die wogende Menschenleere aus Baumkronen, Wolken und Felsen, durch die sich der Serra Verde Express auf Schienen vom südbrasilianischen Hochland hinab zum Atlantik schlängelt.

Dabei hätte die Reise nüchterner kaum beginnen können. Curitiba, die moderne Hauptstadt des Bundesstaates Parana, fast 1 000 Meter über dem Meeresspiegel, sieben Uhr früh. Ein dreigliedriger Gelenkbus jagt heran, dockt an zischende Schiebetüren, hetzt weiter. Drinnen schlaftrunkene Bleichgesichter, kein Lärm und kein tropisches Durcheinander der Hautfarben wie sonst hier zu Lande.

Vieh- und Mate-Teehandel vor allem durch polnische, italienische und deutsche Einwanderer, später rasante Industrialisierung machten vor rund 120 Jahren eine Dreimillionenstadt aus dem einstigen Marktflecken Curitiba. Sie soll eine der modernsten Städte Brasiliens sein, gibt sich gern ökologisch, ist gleichwohl ein eigenwilliges Mini-Europa abseits aller Strände unter oft nebelverhangenem Hochlandhimmel.

Da liegt beim chinesischen Bäcker auf dem Weg zur Haltestelle polnische Dauerwurst neben knusprigem altdeutschem Brot, es gibt Kaffeebars wie in Mailand oder Berlin in der ältesten Fußgängerzone Brasiliens. Über alledem zieht seit Tagen eine niedrige Wolkendecke so endlos von Horizont zu Horizont, dass die Stadt trotz allem verloren wirkt in großer leerer Weite. Hier soll er starten, der berühmte Regenwaldzug, diese Meisterleistung des Ingenieurbaus, gerühmt als der Region größte Touristenattraktion.

Der Dschungelzug fährt aus einem Seitentrakt des lärmenden Busbahnhofs ab. Rund drei Stunden braucht er für die nun folgenden kaum mehr als 100 Kilometer. Dennoch, am Ende seiner Strecke wird er Zeitalter zurückgelegt haben.

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