Skitourismus
Hilfe, die Russen kommen?!?

Vor sechs Jahren wollte der österreichische Skiort Kitzbühel die Anzahl der russischen Touristen begrenzen – und sorgte damit für Empörung. Doch wie gehen bekannte Skigebiete heute mit solchen Anfragen um? Handelsblatt Online hat nachgefragt.
  • 9

DüsseldorfDie Empörung war riesig: Anfang 2007 berichtete die scheidende Tourismusdirektorin des österreichischen Skiorts Kitzbühel, Renate Dandler, davon, dass der Skiort die Zahl der Russen auf maximal zehn Prozent begrenzen wollte. Eine Russenquote – für Österreichs damaligen Wirtschaftsminister Martin Bartenstein ein Unding: „Das ist höchst unerfreulich und eine äußerst unglückliche Aussage.“ Eine Sprecherin des russischen Tourismusverbandes bezeichnete die Äußerungen als „absurd“ und „haltlos“, der Tourismusverband selbst wollte eine systematische Begrenzung bestimmter Besuchergruppen nicht bestätigen, es müsse sich um ein Missverständnis handeln.

Fast sechs Jahre ist die Posse um die Russenquote inzwischen her, der Strom an Winter-Urlaubern aus dem Osten in die Skigebiete in Österreich und der Schweiz aber nicht abgerissen. Im Gegenteil: Bei vielen Russen der Ober- und gehobenen Mittelschicht sitzt das Geld inzwischen locker genug, um mindestens einmal im Jahr in den Schnee zu fahren. Von insgesamt 1,3 Millionen Übernachtungen im österreichischen Mayrhofen entfielen 2011 130.000 auf Gäste aus Russland, Restaurants und Cafés bieten Speisekarten in kyrillischer Schrift an. Gerade in der ersten Januarwoche rund um das orthodoxe Weihnachtsfest ist die Anwesenheit deutlich bemerkbar: Bis zu 40 Prozent der Besucher kommen mit dem Flieger aus St. Petersburg, Moskau oder Samara.

Für viele Gäste aus anderen Ländern sind die russischen Touristen ein Ärgernis. Zu laut, zu betrunken, zu aggressiv, zu prahlerisch, lauten die gängigsten Vorwürfe. Für einige Urlauber Grund genug, ihren Reiseort nach diesem Kriterium zu wählen. Doch wie reagieren die Tourismusverbände der Skigebiete auf eine entsprechende Anfrage? Wir haben die Probe aufs Exempel gemacht und vorgegeben, Urlaub für eine größere Gruppe buchen zu wollen. Einzige Bedingung: Es dürfen nicht zu viele Russen am Lift oder beim Après-Ski stören. Nachgefragt wurde im Schweizer Nobel-Kurort St. Moritz sowie in den österreichischen Gebieten Kitzbühel und Arlberg.

Seite 1:

Hilfe, die Russen kommen?!?

Seite 2:

„Da müssen Sie keine Bedenken haben“

Kommentare zu " Skitourismus: Hilfe, die Russen kommen?!?"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Ich war in Kitzbühel in einem Hotel mit etwa 1/3 Russen, es gabe keine betrunkenen oder ausfälligen Personen, aber der Blick, den du beim Frühstück oder Abendessen aus diesen Kreisen erntest, als hättest du ihnen gerade etwas gestohlen, kein freundliches Guten Morgen oder sonst was, das muss ich mir im Urlaub nicht geben.

    Dann ist der Wellness Bereich nicht benutzbar, die Sauna wird in Shorts russisch bevölkert. Dafür gebe ich mein Geld nicht aus. Liebe Hoteliers, wenn ihr für rund 10 % Russen eure Kultur opfert, dann bittes schön, dann fliegen wir eben nach Kanada.

  • @ nein_Vicario

    Zitat : Vor ungefähr zehn Jahren hatte man das Problem an der Côte d'Azur

    Vor ungefähr 20 Jahren liefen die Neureichen Russen noch in Turnschuhen und Adidas-Anzügen in Restaurants rum.......und hatten Hundeketten aus Gold um den Hals hängen .......

    Heute sprechen sie ein gepflegtes English und haben auch entsprechende Manieren.....die Zeit ist bei den Russen nicht stehen geblieben ( wie größtenteils bei uns, auch bezüglich Klischees...) !

    Und wie gesagt, die Russen wissen heute sehr wohl zu differenzieren, wo sie Urlaub machen.....und glauben Sie mir, die Russen wissen auch besser als wir, was Kitzbühel und St. Moritz kosten...!

    Mit einem Skatclub aus Russland würde ich auch äußerst ungern in einem Hotel wohnen, mit Russen aus der Oberschicht in einem 5-Sterne Hotel sehr wohl !

    Russen vor 20 oder 10 Jahren waren andere Russen, als sie heute sind.

    Und bei uns gibt es auch Regionen ( Ballerman auf Mallorca oder Balaton, in Ischgl oder St. Moritz ), die man ungern wegen deutschen Publikums aufsucht.......! Hier muss man auch differenzieren !

  • Glauben Sie...als ehemaliger Hoteleinkäufer für die Tourismusbranche erinnere ich mich da an ganz andere Dinge.
    Vor ungefähr zehn Jahren hatte man das Problem an der Côte d'Azur - mit der Russenmafia. Ein - unausgesprochenes - Prinzip war, ein Hotel, in dem viele Russen sind, nimmt man nicht in die Broschüre auf, weil es eben teilweise Verhalten gibt, das nicht akzeptabel ist. Auch bei Hoteliers sind es in der Regel keine gerngesehenen Gäste, da mit Schickanen des Personals und der anderen Gäste rechnen ist - ausser der Hotelier steht am finanziellen Abgrund, weil es kann schon vorkommen, dass der Russe ein Bündel Scheine aus der Schwarzgeldtasche zieht.
    Ich selbst kann mich an einen Vorfall erinnern in einem Restaurant auf Sri Lanka, Topklasse, als die Nutte des Maffiabosses, die sich in dieses Restaurant verirrt hatten, nicht nur den Kellner im Brüllton fertig machte, weil er ihr den Orangensaft nicht schnell genug brachte, sondern es ganz normal fand im Brüllton das ganze restliche Restaurant zu unterhalten. Da ja brüllender Befehlston mit zur Kultur zu gehören scheint, ist es nicht verwunderlich, wenn andere Leute sich dadurch gestört fühlen. Geld haben bedeutet nicht unbedingt gute Manieren. Und irgendwie schmeckt das Essen dann auch nicht mehr.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%