Soziale Netzwerke und Sportspiele Onlinesucht trifft nicht nur Nerds

Hunderttausende Menschen in Deutschland sind internetsüchtig. Neben Rollenspielen kommen immer nicht mehr von sozialen Netzwerken los. Die Auswirkungen sind schwerwiegend – und einer Alkohol- oder Drogensucht ähnlich.
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Wer mehr als 500 Online-Freunde hat oder mindestens 2,6 Stunden pro Tag Computer spielt, gilt als suchtgefährdet. Quelle: dpa
Riskogruppe

Wer mehr als 500 Online-Freunde hat oder mindestens 2,6 Stunden pro Tag Computer spielt, gilt als suchtgefährdet.

(Foto: dpa)

Frankfurt/MainMit Windel tagelang vorm Rechner im Rollenspiel oder einsame Dauer-Ballerei am Bildschirm: Die gängigen Klischees exzessiver Computernutzer bröckeln. Internetsucht kann nach Ansicht von Fachleuten jeden treffen. Die Abhängigen seien älter und häufiger Frauen als von der Wissenschaft angenommen, stellt der Initiator der ersten moderierten virtuellen Selbsthilfegruppe für Internetabhängige (webC@re), Benjamin Wockenfuß, fest.

Gut jeder Vierte der rund 100 Betroffenen, die im vergangenen Jahr in dem bundesweiten Vorzeigeprojekt Unterstützung suchten, sei 30 bis 40 Jahre alt gewesen, sagte der Therapeut von der Drogenhilfe in Köln am Rande einer Fachtagung in Frankfurt. Jeder Fünfte war danach sogar über 40 Jahre alt. 30 Prozent der Teilnehmer waren Frauen, fast genauso viele gaben soziale Netzwerke als Suchtmittel an.

Mit diesen Apps bleiben Sie fit
Office Fit
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Office-Fitness

Besonders belastend für die Gesundheit ist die heute in sehr vielen Jobs übliche körperliche Untätigkeit über viele Stunden hinweg. Wer den ganzen Tag am Computer sitzt, sollte zumindest ab und zu die Sitzposition wechseln. Noch besser ist es, in der Mittagspause ein paar Fitnessübungen durchzuführen. Mit der kostenlosen iPhone-App Office-Fit lässt sich ein entsprechende Fitness-Programm für das Büro planen.

Der Schwerpunkt liegt auf Übungen zur Vorbeuge von Verspannungen und Schmerzen. Dazu bietet die App für iPhone, iPod touch und iPad 60 Übungen, die per Trainingsplan zusammengestellt werden können: Jede Übung wird mittels Bild illustriert. Die Anwendung wurde von einer staatlich anerkannten Physiotherapeutin entwickelt.

iYoga
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iYoga

Auch einen virtuellen Yoga-Lehrer gibt es kostenlos für das iPhone: iYoga erklärt die Übungen der indischen Lehre anschaulich als Video. Für verschiedene Traings-Level werden dabei jeweils 30-mintütige Lektionen angeboten.

Jawbone Up
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Gesundheit als Spiel

Up heißt eine App des Herstellers Jawbone, die ein „gesünderes Du“ verspricht. Die Anwendung verfolgt Mahlzeiten, Bewegung und Schlaf des Nutzers – und soll als Motivations-Hilfe für einen gesünderen Lebenswandel dienen. Hat sich der Nutzer beispielsweise längere Zeit nicht bewegt, schlägt die App Alarm.

Ein Punktesystem soll den Nutzer außerdem zu einem gesunden Leben motivieren. So verteilt die App Punkte für bestimmte Herausforderungen - etwa "100.000 Schritte in zehn Tagen" oder "Vor dem Nachtisch erst Gemüse". Auch wer für einen ruhigen Schlaf sorgt, bekommt Punkte gutgeschrieben.

Die eingebaute Wecker-App weckt den Nutzer im vorgegebenen Zeitrahmen in einer möglichst leichten Schlafphase, verspricht der Hersteller. Die kostenlose App funktioniert nur zusammen mit einem Armband, das 100 Euro im Online-Store kostet. Es verfügt über eine aufladbare Batterie, einen Vibrationsmotor und einen Sensor, der die Bewegung aufzeichnet. Derzeit ist die App nur in englischer Sprache erhältlich.

Öko-Test
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E-Nummern-Aufklärung

Bei den E-Nummern handelt es sich um Lebensmittelzusatzstoffe wie Stabilisatoren, synthetische Vanillin oder Geschmacksverstärker. Die App Öko-Test E-Nummern des Magazins Öko-Test zeigt, was sich hinter den E-Nummer verbirgt und wie diese gesundheitlich einzustufen sind. Außerdem klärt die App über Zutaten auf, die nicht mit einer bei Verbrauchern unbeliebten E-Nummer versehen sind und dennoch Bestandteile eines Lebensmittelzusatzes enthalten. So geben viele Lebensmittelhersteller Hefeextrakt bei den Zutaten an, der von Natur aus große Anteil des Geschmacksverstärkers Glutamat enthält. Die App für das iPhone kostet fünf Euro.

AOK Fitness
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Fitnessmanager

Von den Allgemeinen Ortskrankenkassen wird der kostenlose Fitnessmanager AOK Plus für das iPhone angeboten. Zu Anfang steht eine Bestandsaufnahme: So lassen sich unter anderem Gewicht und Körperfettanteil eingeben und der BMI (Body Mass Index) berechnen. So erfährt der Nutzer schnell sein derzeitiges Gewicht - und seinen Idealwert.

Weiterhin lässt sich ein Fitnesstagebuch führen und mittels Tracking Zeit und Strecke von Fitness-Aktivitäten messen. Über die Entwicklung des Gewichts kann der Nutzer Buch führen. Die App stellt diese Entwicklung grafisch im Zeitverlauf dar, sodass Sie Ihren Erfolg immer vor Augen haben.

Rauchfrei
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App gegen den Qualm

Rauchfrei 2.0 ist eine kleine Motivations-App für alle, die mit dem Rauchen aufhören wollen. Nach der Erfassung der Konsumgewohnten zeigt die App an, was dem Nutzer der Verzicht auf Zigaretten bereits gebracht hat – für den Geldbeutel und die Gesundheit. So informiert die App nach vier rauchfreien Tagen beispielsweise darüber, dass sich bereits jetzt Geruchs- und Geschmacksrezeptoren regenerieren. Wer länger durchhält, kann sich unter anderem über eine Regenaration der Lunge freuen.

Barcoo
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Barcoo

Wer gesund einkaufen will, benötigt Orientierung. Die in Großbritannien bereits eingeführte Lebensmittelampel wurde hierzulande trotz entsprechender Forderungen von Verbraucherschützern nie politisch durchgesetzt. Doch mit der kostenlosen Barcoo-App holen Sie sich die Lebensmittelampel auf iPhone und Android-Smartphone.

Dazu scannen Sie im Supermarkt den Barcode des entsprechenden Produkts mit der Kamera des Telefons und bekommen so Informationen zu Zucker, Fett, gesättigten Fettsäuren und Natrium angezeigt, die jeweils grün, gelb oder rot eingefärbt sind.

So listet die App etwa auf, dass Nutella 89 Prozent mehr Zucker enthält als andere von der App erfasste Produkte der Kategorie Brotaufstrich. Mini-Guides klären über die wichtigsten Fakten zu verschiedenen gängigen Lebensmitteln auf. Darüber hinaus hält Barcoo auch Informationen zu durchschnittlichen Preisen bereit – auch für andere Produkte außer Nahrungsmitteln.

Ein wachsendes Problem sieht der Suchttherapeut in elektronischen Sportspielen, bei denen es auch um Geld geht. „Vor dem Hintergrund der Glücksspielsucht bringen sie eine neue Facette.“ Glücksspiel im Internet zähle zu den besonderen Risiken von Computersucht, sagt Andreas Gohlke von der Glücksspiel-Ambulanz der Uni Mainz. Andere Risiken seien mehr als 500 Online-Freunde und mindestens 2,6 Stunden Computerspiel pro Tag.

Hunderttausende sind nach Einschätzung der Fachleute in Deutschland internetsüchtig. Eine zwei Jahre alte Studie im Auftrag des Bundesgesundheitsministeriums ging von 560 000 Abhängigen aus. „Das Phänomen ist in den letzten Jahren immer stärker geworden“, sagt der Geschäftsführer der Hessischen Landesstelle für Suchtfragen (HLS), Wolfgang Schmidt-Rosengarten. Andere Fachleute schätzen die Zahl der Betroffenen auf bis zu eine Millionen, berichtet Wockenfuß.

„Ebenso schwerwiegend wie Alkohol- oder Drogensucht“
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