Statt ins Hotel ins Boardinghouse
Das Beste aus zwei Welten

Mit Service hatte das klassische Boardingkonzept in Deutschland ursprünglich nichts am Hut: Der Consultant, Gastdozent, Schauspieler oder Wohnungssuchende buchte sein Appartement für mindestens einen Monat, zahlte im Voraus, begnügte sich mit Küche, Waschmaschine und Briefkasten, und reiste nach ein paar Monaten friedlich wieder ab. Die Rezeption war nur stundenweise besetzt, ein gastronomisches Angebot nicht gefragt, und selbst die Putzhilfe kam nur einmal pro Woche.

HB DÜSSELDORF. Dienstleistungen wie Frühstück, 24-Stunden-Service oder gar Wellness: Wozu? Das hat sich geändert. Immer mehr Betreiber von Boardinghouses begreifen die englische Bezeichnung „Serviced Apartments“ als Auftrag – und werden zugleich zu Wettbewerbern der Hotels. Heute können Messegäste, Außendienstmitarbeiter und Geschäftsreisende schon ab einer Übernachtung „boarden“.

Zwar gilt noch immer: Je länger der Aufenthalt, desto größer die Preisnachlässe - durchschnittlich 20 bis 50 Prozent (siehe Kasten). Anders als früher aber sind Kurzzeitgäste inzwischen herzlich willkommen. „Die Boardinghouses haben sich für die klassischen Di-Mi-Do-Geschichten geöffnet“, resümiert Anett Gregorius, Betreiberin einer unabhängigen Plattform von Serviced Appartements.

Auch in anderen Bereichen wird der Übergang zum Hotel immer fließender: Damit der Gast auch vor 9 Uhr und nach 16 Uhr noch einen Ansprechpartner antrifft, fahren viele Häuser inzwischen die 24-Stunden-Rezeption. Und das Frühstücksangebot – früher eher die Ausnahme – gehört heute zur gastronomischen Mindestversorgung auch im Boardinghouse. Zumindest optional. Selbst Extras wie Tiefgaragen, Fitness und Wellness sind vielfach inzwischen Standard.

Ketten wie die Derag Hotels & Living bieten ihrem Gast sogar ein Baukastensystem frei buchbarer Leistungen für den „Aufenthalt nach Maß“: vom Einkaufs-, Brötchen- und Zeitungsservice, über die Übernahme von Bürotätigkeiten bis hin zur frei wählbaren Häufigkeit der Zimmerreinigung. „Das Boarding-Geschäft bewegt sich eindeutig in Richtung Hotellerie“, kommentiert Lutz Hesse, Geschäftsführer der Madison Boardinghouses in Berlin den Trend. „Das Mischkonzept ist auf dem Vormarsch."

Aber auch die Hotellerie selbst lässt sich das Geschäft mit dem Langzeitgast nicht entgehen: „Man muss den Hotelservice optional anbieten“, kennt zum Beispiel Otto Lindner jr., Chef der gleichnamigen Hotelkette, die Bedürfnisse seiner Dauerwohner. Und so konzipiert der Unternehmer neben reinen Boarding-Konzepten zunehmend auch ganze Boarding-Etagen innerhalb seiner Hotels. Dass dabei eine wichtige Voraussetzung früherer Boarding-Konzepte abhanden kommt – ein separater Eingang für die Privatsphäre – hält Lindner nicht für dramatisch: „Die Mentalität der Gäste ist lockerer geworden“, sagt der Hotelier. „Der hybride Gast von heute geht ohne Hemmungen auch mit einer Aldi-Tüte ins 5-Sterne-Hotel.“

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