Staugebühr
Porsche siegt im Kampf um die Londoner Maut

Die Porsche-Fahrer in Notting Hill und Chelsea geben wieder unbeschwert Gas. Der Lieferant ihrer schnittigen Fahrzeuge hat für sie gekämpft und gesiegt.

Es wird keine Straf-Maut für Luxuslimousinen, Geländewagen und Sportwagen geben, die in den Nobelstadtteilen im Londoner Westen das Straßenbild so dominieren wie sonst kaum irgendwo in Europa. 25 Pfund Staugebühr wollte der "rote Ken", Ex-Bürgermeister Livingstone, allen Fahrzeugen mit mehr als 225 Gramm Kohlendioxid-Ausstoß pro Kilometer ab Oktober aufbrummen, statt der sonst üblichen acht Pfund. Des von einer gewissen Portion Neid unterlegten Beifalls der schweigenden Mehrheit konnte er sich damit sicher sein.

Während die anderen Luxusauto-Fabrikanten sich grummelnd in ihr Schicksal fügten, klagte Porsche vor dem Obersten Gerichtshof gegen die Ungleichbehandlung. Nicht dass Porsche-Fahrer sich die Gebühr nicht leisten könnten - es ging ums Prinzip. Schließlich ist es erstens fragwürdig, eine Stau-Gebühr mit einer Klimaschutz-Strafabgabe zu vermengen und zweitens hätten auch weniger gut betuchte Fahrer etlicher Kombis und Minivans die 25 Pfund zahlen müssen.

Nun hat sich Porsche vor Gericht mit der Londoner Stadtverwaltung verglichen. Der neue Bürgermeister Boris Johnson zog die 25-Pfund-Maut offiziell zurück und stimmte zu, Porsches Prozesskosten zu übernehmen. Die sechsstellige Summe spendet der Autohersteller nun an das Jugendprojekt Skidz, das straffällig gewordene Jugendliche zu Automechanikern ausbildet.

"Wir waren immer von unserer Rechtsposition überzeugt und sicher, dass wir am Ende gewinnen würden", sagte Porsche-Landeschef Andy Goss. "Porsche ist stolz darauf, die entscheidende Rolle bei der Verhinderung dieser gegen alle Autofahrer gerichteten, politisch motivierten Abgabe gespielt zu haben." Wie entscheidend die Rolle war, ist interpretationsfähig. Immerhin hatte Johnson ja im Wahlkampf versprochen, die 25-Pfund-Maut nicht einzuführen und die ganze Ausweitung der Staugebühr von der Innenstadt auf die westlichen Stadtteile zu überprüfen. Aber gönnen wir Porsche den Triumph. Nur Livingstone meutert aus dem Off, nun sei Londons Ruf als Wegbereiter des Klimaschutzes in Gefahr. Aber das ist doch der Mann, der die Innenstadt mit stinkenden Bussen verstopft hat.

Dirk Hinrich Heilmann
Dirk Heilmann
Handelsblatt / Chefökonom
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