Stiftung Warentest
Wie wir mit Olivenöl angeschmiert werden

Olivenöl ist schlechter als sein Anspruch. 50 Produkte hat die Stiftung Warentest nun geprüft, nur eins erhielt die Note „gut“, aber jede Menge waren „mangelhaft“. Was der jüngste Test von 24-Discounter-Flaschen brachte.
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Düsseldorf„Spitzenklasse-Olivenöl für kleines Geld gibt es nicht.“ Das Fazit der Stiftung Warentest ist so klar wie unmissverständlich. 24 Olivenöle wurden 2016 geprüft, sie kosteten zwischen fünf und knapp 15 Euro pro Liter. Keines schnitt „gut“ ab, zehn Produkte erhielten dagegen die Gesamtnote „mangelhaft“. Urteil der Tester: „Sie täuschen eine Güteklasse vor, der sie nicht entsprechen.“

Derlei Erkenntnisse stehen im krassen Gegensatz zum Anspruch. Feinschmecker schwärmen vom Olivenöl wie Weinkenner, stellt Anita Stocker, die Chefredakteurin von „test“ fest. „Ausdrucksstark“ müsse es sein. Intensiv fruchtig, deutlich bitter und scharf solle es schmecken. Gar nach frischem Gras oder Artischocke duften, vielleicht auch mit süßen Noten wie Mandel oder Honig.

Kein Wunder, dass es in Feinkostläden sogar als „grünes Gold“ angepriesen wird. Manche Geschäfte verlangen so viel dafür wie für exquisiten Wein. Stocker: „Unser aktueller Test belegt dagegen einmal mehr: Viele Anbieter versprechen viel zu viel. Von 24 Olivenölen hätten 10 nicht als „nativ extra“ verkauft werden dürfen, eines nicht einmal als „nativ“.“

Viele Öle seien mit Schadstoffen belastet, heißt es in der Titelgeschichte der Februar-Ausgabe der Zeitschrift „test“. Außerdem würden die Olivenöle von Discountern und Supermärkten meist nur mittelmäßig riechen oder seien sogar fehlerhaft. Zehn Öle schmeckten sogar ranzig, stichig oder alt. „Das ist mangelhaft“, kommentierten die Tester.

Fast jedes zweite Öl sei deutlich mit gesättigten Mineralöl-Kohlenwasserstoffen, Mosh genannt, belastet. Das sind Stoffe, die sich im Körper anreichern können. Ausgerechnet eines der teuersten Öle im jüngsten Discounter-Test, ein Bio-Öl für 14,40 Euro pro Liter, sei deutlich mit Mosh und hoch mit Moah belastet.

Moah? Das sind die aromatischen Mineralöl-Kohlenwasserstoffe (Moah), die als potenziell krebserregend gelten. Überdies stellte die Stiftung fest, dass das angeblich „qualitativ hochwertige Erzeugnis“ von Kunella Feinkost hoch mit einem verbotenen Weichmacher belastet ist. Obendrein sei es mit raffiniertem Öl verfälscht und schmecke stichig, ranzig.

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