Stilikone Bond
Die Lizenz zum Trend setzen

Stil stirbt nie: Schon seit 50 Mode-Jahren prägt Geheimagent 007 James Bond die Männermode. Die Filme sind immer ein Musterbeispiel für guten Geschmack – allerdings mit einigen wenigen krassen Fehlschlägen.
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DüsseldorfSag niemals nie zum perfekten Styling! Egal ob „In tödlicher Mission“ oder „Im Angesicht des Todes“, die Macher der Filmstreifen im Geheimdienst Ihrer Majestät hatten schon immer ein Goldfingerchen für feine Klamotten – auch wenn sie ab und zu daneben griffen. Aber selbst das hatte irgendwie Stil. Aus heutiger Sicht zumindest Witz.

Oder hat Jemand vor oder nach Sean Connery je einen Geheimagenten im knappen babyblauen Frotteestrampler gesehen? Connery trug ihn 1964 in „Goldfinger“ mit der gleichen Nonchalance wie sein Toupet. lässig die Hände in den Höschentaschen. Den Modekritiker hat’s da eher geschüttelt als gerührt.

Ok, war vielleicht ein Ausrutscher, wie dieses rosa Hemdchen mit den zu kurzen Flügelärmelchen in wer-weiß-noch-in-welcher-Mission. Sollte nicht wieder vorkommen. Wir erinnern uns lieber an den schnieken Anzug, in dem Connery lässig an seinem Aston Martin lehnt. Was kostet die Welt? Egal, ist ohnehin nicht genug.

Der (trotz der kurzen Nummer mit dem Queen-Double zur Olympiaeröffnung) für viele immer noch gewöhnungsbedürftige aktuelle 007-Darsteller Daniel Craig trägt im gerade anlaufenden Streifen „Skyfall“ die smarten Entwürfe des Top-Designers Tom Ford. Der ist selbst so eine Art Held der Modewelt. Der drahtige Daniel durfte während der 22. Mission „Ein Quantum Trost“ (2008) sogar erstmals Jeans tragen. Von „7 for All Mankind“, schwarz und ziemlich leger geschnitten.

Wann wird’s schon wirklich eng für Bond? In Sachen Mode kaum. Connerys erste Anzüge für „Dr. No“(1962) stammten von Anthony Sinclair, aus der Londoner Conduit Street, gleich um die Ecke der legendären Savile Road, Pachtmeile für die Lizenz zum Schneidern wahrer Gentleman-Mode. Man sprach dann auch vom Conduit Cut. Sinclair verpasste dem Geheimagenten eine schmale, geschmeidige Silhouette, die ihm bei der Rettung der Welt genügend Bewegungsfreiheit ließ. Die Hosen hatten elastische Bundweiten. Der Smoking saß wie angegossen Die Schultern waren gerade breit genug zum Anlehnen sehnsüchtig seufzender Bond Girls. Für die eher spießigen 60-er Jahre ein vorbildlich schicker Look. Wäre heute immer noch tragbar. Oder schon wieder.

Dagegen spielte Connerys Nachfolger George Lazenby im Geheimdienst Ihrer Majestät (1969) modemäßig kaum eine Hauptrolle. Obwohl der Auftritt des Australiers im Schottenrock schon einmalig war. (Trug der wahre Schotte Connery nur semiprofessionell). Ansonsten: Mode? Mäßig! Das Publikum sah statt Lazenbys Rüschenhemd auch lieber Connerys sich kräuselndes Brusthaar. Deshalb musste zwischendurch noch mal der Ur-Bond ran für „Diamantenfieber“ (1971).

Der nächste, Roger Moore, hatte in tödlicher Mission (1981) nicht nur Schlag bei Frauen, sondern auch in den Hosenbeinen. Auch er hatte seine Ausrutscher. Im weißen Dinner-Jackets sieht man eben eher aus wie ein Oberkellner.

Nach ihm hatte Timothy Dalton zwar die Lizenz zum Töten (1989), aber besonders modemutig war er nicht. Dabei traute er sich öfter als die anderen, die Krawatte weg zu lassen. Und wenn er mal eine trug, dann war sie nur angesteckt. Der Mann blieb blass(grau), sogar im Hochzeitsanzug.

Doch der Morgen stirbt nie (1997). Als zum Ende des Jahrhunderts die drei B - Bond, Brosnan und Brioni - zusammenkamen, zeigten die 007-Filmstreifen noch einmal ihre wahre Eleganz. Die feinen Stöffchen des italienischen Edel-Schneiders umschmeichelten mit dezentem Lüster die Filmfigur und verliehen dem Iren mit den Grübchen seine besondere Ausstrahlung. Die wirkte nicht nur auf die Bond-Girls. Die natürlich ihre eigenen Trends setzten, besonders, wenn sie baden gingen. Aber das ist eine andere Geschichte – besser in Bildern…

Handelsblatt-Autorin Inge Hufschlag schreibt über Mode und Lifestyle. Quelle: Alexander Basta
Inge Hufschlag
/ Modekritikerin

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