Stockholm testet City-Maut: Die Volksseele kocht über

Stockholm testet City-Maut
Die Volksseele kocht über

Not macht erfinderisch. Und zur Zeit ist die Not bei Stockholms Autofahrern besonders groß: Seit gestern läuft ein siebenmonatiger Versuch mit der so genannten „Trängselskatt“, einer Stau-Steuer oder City-Maut.

STOCKHOLM. Je nach Tageszeit kostet die Ein- und Ausfahrt zwischen umgerechnet einem und zwei Euro. Nachts und an Wochenende ist der Stadtausflug gratis. Das Verkehrsaufkommen, so das erklärte Ziel der Stadtpolitiker, solle „mit dem steuerpolitischen Hebel“ um zehn bis 15 Prozent verringert werden.

Für die rund eine Million täglichen Auto-Pendler wird der Weg zur Arbeit um 600 und 800 Kronen (64 – 85 Euro) im Monat teurer. Zu teuer, fanden mehrere findige Schweden und bieten seit gestern spezielle Kunststoff-Abdeckungen für die Nummernschilder an. „Damit ihr Nummernschild nicht schmutzig wird“, heißt es auf ihrer Homepage, auf der sich die Entwickler gleichzeitig dafür entschuldigen, dass die etwa 160 City-Maut-Kameras an den 18 Kontrollstellen die Autonummern wegen des kleinen Überhanges „leider“ nicht ablesen können. „Dadurch entstandene Unannehmlichkeiten bitten wir zu entschuldigen.“

Einen Tag nach Start des City-Maut-Versuches in Stockholm lässt sich nicht beurteilen, ob die pfiffigen Schweden mit ihrer neuen Geschäftsidee einen Reibach machen werden. Doch ihre Chancen stehen nicht schlecht. Denn die Volksseele kocht.

Der Zorn einer überwältigenden Mehrheit der Stockholmer – 73 Prozent der Hauptstadtbewohner sind gegen die Stau-Steuer - richtet sich gegen die sozialdemokratische Bürgermeisterin, Annika Billström. Sie hatte nämlich ihren Wählern vor den Kommunalwahlen 2002 versprochen, dass es auf keinen Fall Mautgebühren geben werde. Doch da ihr oberster Chef und Parteifreund, Ministerpräsident Göran Persson, bei den gleichzeitigen Reichstagswahlen eine eigene Mehrheit verpasste, zwang er sie zu einer 180-Grad-Wende. Seine Mehrheitsbeschaffer im Parlament, die Grünen, forderten einen Maut-Versuch in Stockholm, und seitdem versucht die Bürgermeisterin vergeblich, ihren Wählern die politische Pirouette zu erklären.

Seite 1:

Die Volksseele kocht über

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%