Strandoase mit City-Blick
Beach and the City

Feinster Sand, Liegestühle unter Sonnenschirmen, eine Strandbar mit Holzterrasse, knapp bekleidete Schönheiten und sonnengebräunte Astralkörper. Nein, kein südländischer Traumstrand. Die Rede ist vom „Monkey’s“, dem neuen Open-Air-Gehege der Düsseldorfer Szene.

Ein 5 000 qm großes Areal auf einer Landzunge des Medienhafens wurde mit 1 000 Tonnen Sand, tropischer Gartenkunst von Tita Giese, Skulpturen von Lokalmatador Jörg Immendorf und vielen netten Ideen in eine City-Beach samt Restaurant, Bar, Biergarten und Beachsportanlagen verwandelt. Umspült von den Wellen des Rheins und mit phantastischem Panoramablick auf Düsseldorfs architektonische Vorzeigemeile mit Werken von Gehry bis Foster, fühlt man sich wie in einer Strandoase mit City-Blick, Bacardi-Feeling und Performance inbegriffen.

Damit steht Düsseldorf nicht allein. So mancher kann oder will sich in diesem Jahr keinen Urlaub leisten, andere genießen den warmen Sommer mit viel Freizeit – egal ob erstmals ohne Job oder auf Sabbatical. Und so karren findige Gastronomen mit Unterstützung der Kommunen reichlich Sand in die Städte und eröffnen Strände mit Straßenbahnanschluss. Nirgends aber hat die lokale Szene so schnell von einem Projekt Besitz ergriffen wie bei „Monkey Island“, wie die Düsseldorfer den Hafenstrand nennen: Die „Affeninsel“ ist die Top-Attraktion der rheinischen Sommersaison. Schon am frühen Mittag laufen die Frischluftsüchtigen ein, mit und ohne Kinder, zum Sonnenbaden, Sehen und Gesehenwerden.

„Ich könnte mich auch ein paar Meter weiter in eine der Sandbuchten des Rheins legen“, sagt Neurowissenschaftler Jan-Henryk Dombrowski. „Aber hier im Liegestuhl, mit Sand zwischen den Zehen und einem Drink in der Hand den Aufgalopp der Strandamazonen und Waschbrettbäuche zu beobachten – das ist Baywatch wie im Urlaub. Das alles ist nur ein paar Minuten von meinem Büro in der Uni entfernt, abends sogar noch von hippen Sounds beschallt – super!“

Und wie im Urlaub tummeln sich am Wochenende die Touris, vor allem aus dem südlichen Ruhrgebiet. Sogar Kurtaxe gibt es: Der ausufernde Run auf ihre Affeninsel hat die Betreiber animiert, den Abendgästen einen Obolus von 5 Euro für Reinigung und Pflege des Areals abzuknöpfen. Der Beliebtheit tut das keinen Abbruch: Staus vor dem Düsseldorfer Hafen gehören zum Alltag.

In Berlin steppt der Bär dagegen in der „Strandbar-Mitte“

Während sich die Rheinländer in schneeweißem Sand vom Naturschutzgebiet Halterner See tummeln, hat man für die Berliner Beachboys und -girls Sand aus Caputh nahe Potsdam angekarrt und auf einer versiegelten Bunkerfläche am Spreeufer des Monbijouparks verteilt. Unter den Sonnenschirmen in blau-weiß-gestreiften Liegestühlen, flankiert von zwei Palmen, im Blick den Alex und die Museumsinsel, macht die Berliner Szene sommers täglich Strandurlaub. Mal hämmern Electrobeats aus den Boxen, mal fließen Chillout-Sounds aus den Lautsprechern.

Selbstverständlich kommen auch in der Hauptstadt die Touristen. Heinfried Tacke, Tübinger Pädagoge und notorischer Berlin-Besucher: „Eine tolle Location, irgendwie schräg! Wenn man die Augen schließt, Sonne auf der Haut und Sand unter den Füßen spürt, das ruhige Geplätscher hört – dann liegt Berlin direkt am Meer.“

Mit dem Unterschied, dass die Meeresbrise aus Berliner Luft besteht: den Abgasen der nahen Friedrichstraße. Ganz unumstritten sind die Berliner Dünen nicht. Die in puncto Lautstärke, Abfall und menschliche Bedürfnisse unbekümmert ausgelebten Urlaubsgefühle der meist jungen Besucher bringen Anwohnern und Behörden auf die Palme – schon wird ein anderer Standort gefordert.

Hamburg hat eine "Strandperle"

Mit solchen Problemen hat das Hamburger Pendant, die „Strandperle“ in Övelgönne, nicht zu kämpfen. „Schon seit Jahren eine Institution und die abgefahrenste Location Hamburgs“, schwärmt Daniela Scherbring, Sprecherin der Einrichtungshäuser „ Stilwerk“.

Eigentlich sei es ja nur ein alter Kiosk mit ein paar Klappstühlen und -tischen gegenüber dem Containerterminal. Und einer mit ganz beschränkter Karte. Wasser, Saft, Bier, Longdrinks, Kuchen und Kartoffelsalat mit Wurst oder Fisch – das ist’s. „Man fläzt sich in den Elbsand vor dem Kiosk und hat schönstes Strandfeeling.“

Mittags geht es noch recht familiär zu. Nach Feierabend aber läuft die Szene ein, beklatscht die Feuerschlucker und Akrobaten, winkt den dicken Pötten aus aller Welt zu, schnackt und snackt. Und wenn dann die rote Sonne über Hamburg versinkt, wird mit Dub und Reggae die Strandparty eingeläutet. Deren Sound gibt es auch schon auf CD, „Strandperlen“ heißt sie.

Auch Paris hat seinen Strand

So macht Deutschland vor, wie man Strand in eine Metropole bringt – sogar dem Großprojekt „Paris-Plage“. Zwei Millionen Besucher zog der künstliche Strand am Seine-Ufer vergangenes Jahr an. Diesmal können sich die Hauptstädter vom 20. Juli bis 17. August zwischen dem Quai Henri IV. und dem Quai des Tuleries sonnen – Palmen, Liegestühle, Sonnenschirme, Strandcafés, Beachvolleyball, Boule inklusive.

Allein: Die Party-Atmosphäre von Berlin, Hamburg und Düsseldorf – die kommt hier nicht auf. Da heißt es: Betonwatch statt Baywatch, wälzende Massen statt entspanntes Sonne. Dafür ist aber sogar die U-Bahn nicht weit entfernt.

Strände in der Stadt

Düsseldorf: Monkey’s, Speditionsstr. 23, Öffnungszeiten: dienstags bis freitags ab 12 Uhr; samstags und sonntags ab 10 Uhr; montags Ruhetag, an besonders belebten Tagen Eintritt 5 Euro, davon 2,50 Euro Mindestverzehr

Berlin: Strandbar Mitte, Monbijoustr. 3, Öffnungszeiten: täglich ab 10 Uhr www.strandbar-mitte.de

Hamburg: Strandperle

Am Schulberg 2, Öffnungszeiten: von April bis September täglich 13 bis 24 Uhr

Paris: Paris-Plage

auf drei Kilometern Länge vom Quai Henri IV. bis zum Quai du Louvre Buden und Attraktionen, der tatsächliche Sandstrand aber ist nur rund hundert Meter lang vom 20. Juli bis 17. August

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