Stromversorgung ist stabil
Kein Ende der Hitze in Sicht

Deutschland bleibt im Schwitzkasten: Ein Ende der drückenden Hitze ist nicht in Sicht. Vielmehr forderte sie bereits erste Todesopfer in Deutschland.

HB HAMBURG/MADRID/ROM. Am Freitag wurde in Baden-Baden der Spitzenwert mit 37,0 Grad gemessen. Bad Münster am Stein in Rheinland-Pfalz sowie Ladenburg und Rastatt in Baden- Württemberg erreichten die zweithöchsten Temperaturen mit jeweils 36,6 Grad, teilte der Wetterdienst Meteomedia mit. „Überall in Europa ist es brennend heiß, und die Hitzewelle nimmt nach unseren Vorhersagen auch noch kein Ende“, sagte Meteorologe Martin Pucheggel der dpa. Bei den Ozon-Werten gab das Umweltbundesamt in Dessau noch keine Entwarnung. In Teilen Deutschlands verursachten heftige Gewitter und starker Regen am Donnerstagabend und in der Nacht zum Freitag Schäden.

In der Oberpfalz (Bayern) starb ein Mann, der in der prallen Sonne seine Fahrradkette reparieren wollte. Nach Angaben der Polizei stellte der Notarzt fest, dass der 43-Jährige wegen der großen Hitze einen Herzinfarkt erlitt. Am Mittwoch war bei einem Schulsportfest im bayerischen Arrach im Landkreis Cham ein 14 Jahre altes Mädchen gestorben. Ob das Kind auch wegen des Wetters umkam, will die Kriminalpolizei bei den Ermittlungen klären.

Nach dem bisher heißesten Tag des Jahres 2006 kam es am Donnerstagabend und in der Nacht zum Freitag zu heftigen Gewittern: Im nordrhein-westfälischen Kreis Minden-Lübbecke entwurzelte ein Wirbelsturm zahlreiche Bäume, Autos wurden beschädigt. In Norddeutschland musste die Feuerwehr immer wieder wegen umgeknickter Bäume und voll gelaufener Keller ausrücken. Blitze schlugen in Häuser ein. Verletzt wurde nach ersten Erkenntnissen aber niemand.

Doch auch der Regen brachte kaum Abkühlung: Die Nacht blieb vielerorts tropisch warm und am Freitag zeigte das Thermometer schon mittags vor allem im Rhein-Main-Gebiet mehr als 30 Grad. Erträglicher war die Wärme an der Nordsee mit 22 bis 24 Grad, an der Ostsee gab es 28 bis 30 Grad. Die Wassertemperaturen brachten den Menschen eine angenehme Abkühlung, an der Nordsee mit 21 bis 23 Grad und in der Ostsee mit 22 bis 24 Grad.

Bei der Stromversorgung sind nach Angaben des Verbandes der Elektrizitätswirtschaft (VDEW) keine Probleme zu erwarten. “Die Versorgung ist totz des extremen Wetters stabil“, erklärte am Freitag der Hauptgeschäftsführer des Verbandes, Eberhard Meller. Nach Erfahrungen aus den vergangenen Jahren sei auch nur mit einem leichten Anstieg des Stromverbrauchs zu rechnen.

Zwar würden Klima- und Kühlgeräte verstärkt genutzt. Dem stehe aber ein geringerer Verbrauch auf Grund der Haupturlaubszeit entgegen. Beide Effekte würden sich nahezu aufheben, erklärte Meller. Im Rekordsommer 2003 habe der deutsche Stromverbrauch beispielsweis nur rund ein Prozent über dem anderer Jahre gelegen.

Keine Entwarnung beim Thema Ozon: Das Umweltbundesamt in Dessau rechnet auch in den nächsten Tagen wieder mit erhöhten Werten, allerdings nicht mehr so flächendeckend wie bislang. Den Spitzenwert in Deutschland registrierte die Behörde am Donnerstag in Bielefeld mit 272 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft, erklärte der Ozonexperte des Umweltbundesamts (UBA), Berndt Kahra. Der Wert basiert auf den jeweils über eine Stunde gemittelten Messungen.

Auch am Freitag wurde der von der EU festgelegte Schwellenwert von 180 Mikrogramm in Teilen Deutschlands überschritten, betroffen waren unter anderem Brandenburg, Sachsen sowie Regionen in Südhessen, Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz. Ozon verursacht Kopf- und Brustschmerzen, reizt die Augen und die Schleimhäute und kann die Atemwege schädigen.

Auch in den Nachbarländern Deutschlands leiden die Menschen unter der Hitzewelle. Die Gewitter in vielen Teilen Frankreichs brachten kaum Abkühlung. Am Freitag stiegen die Temperaturen vor allem im Osten und Südosten wieder auf bis zu 38 Grad. Besserung ist laut Météo France frühestens Mitte der nächsten Woche zu erwarten. Bislang sind nach offiziellen Angaben bereits 20 Menschen an den Folgen der Hitze gestorben. Im Sommer 2003 fielen in Frankreich knapp 15 000 Menschen der Hitze zum Opfer.

In Spanien wurden am Freitag und für das Wochenende wieder Hitzegrade bis zu 40 Grad erwartet. Besonders heiß sollte es auf der Balearen-Insel Mallorca werden. In Spanien sind bisher drei Männer an Hitzschlag gestorben. Das letzte Opfer war ein 32 Jahre alter Mann, der am Mittwoch bei Arbeiten auf einem Landgut bei Mérida zusammenbrach.

Auch Italien leidet unter der Hitze: Am Freitag stiegen die Temperaturen in den meisten Landesteilen auf mehr als 35 Grad, auch nachts sinken sie fast nirgendwo unter 25 Grad. Am Wochenende sollten die Temperaturen Meteorologen zufolge noch weiter ansteigen. Am schlimmsten sei bisher die ligurische Metropole Genua betroffen, wo zahlreiche Menschen mit Schwächeanfällen ins Krankenhaus gebracht wurden, berichtete die Zeitung „La Repubblica“ am Freitag. In Usellus auf Sardinien starb am Donnerstag ein Arbeiter unter der sengenden Sonne: Er sei bei Temperaturen von 35 Grad tot zusammengebrochen.

Am Donnerstag hatte die Hitzewelle ihren Höhepunkt im Osten Deutschlands erreicht. Nach Angaben des Wetterdienstes Meteomedia wurden in Bernburg/Saale-Nord in Sachsen-Anhalt 38,9 Grad gemessen - ein deutscher Rekord für dieses Jahr. Als Rekord-Hitzetag deutschlandweit gilt der 8. August 2003. Damals meldete Meteomedia den Spitzenwert von 40,8 Grad aus Perl-Nennig im Saarland, korrigierte diese Angabe später aber auf 40,3 Grad.

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