Studie: Business-Class und Fünf-Sterne-Hotel sind out
Dienstreisen verlieren zunehmend an Speck

Das gestiegene Kostenbewusstsein deutscher Unternehmen führt zu einer Entzauberung der Geschäftsreise. Zu diesem Schluss kommt eine Studie des größten deutschen Geschäftsreise-Dienstleisters TQ3, die dem Handelsblatt exklusiv vorliegt.

HB FRANKFURT. Demnach erlebt das höherpreisige Segment in fast allen Facetten der Dienstreise – etwa bei Pkw-Fahrten, Flug oder Hotel – zum Teil deutliche Einbußen. Basis der Untersuchung sind Buchungen der mehr als 40 000 TQ3-Firmenkunden, welche über die Tochter des Reisekonzerns Tui in den vergangenen Jahren abgewickelt wurden.

Auffällig sind vor allem die rückläufigen Business-Class-Buchungen im innerdeutschen Flugverkehr sowie auf Strecken innerhalb Europas: 2001 lag dieser Anteil nach TQ3-Angaben noch bei rund 40 Prozent. Im Vorjahr reisten hingegen nur noch 25 Prozent der Manager in der Business-Class – Tendenz weiter fallend. Der anhaltende Negativtrend hat zwei Gründe: Erstens der Vormarsch der Billigfluglinien, die im Europaverkehr historisch niedrige Ticketpreise anbieten und sich beim Produkt kaum von klassischen Fluglinien unterscheiden. Zweitens die Reiserichtlinien vieler Unternehmen, die Managern häufig untersagen, bei Lufthansa & Co. ganz vorn Platz nehmen zu können.

Früher waren Geschäftsreisen mal etwas Besonderes, fast Glamouröses: Wer dienstlich unterwegs war, bekam in der Business-Class Champagner serviert, logierte in Fünf-Sterne-Hotels und fuhr mit einem noblen Oberklasse-Fahrzeug zum nächsten Termin. Die Geschäftsreise von heute sieht anders aus: Sie ist geprägt von Kostendruck und restriktiven Reiserichtlinien innerhalb der Unternehmen. Nach Angaben des Verbands Deutsches Reisemanagement (VDR) gelten bereits für 89 Prozent aller Unternehmen mit über 2 500 Mitarbeitern hauseigene Reiserichtlinien. Auch bei kleineren Unternehmen hat diese Zahl durchschnittlich 75 Prozent erreicht. Die Folge ist ein kostenbewusster Umgang mit Reisen.

Der Business-Traveller darf in der Regel nur noch Economy Class buchen und ist auch ansonsten ein sparsamer Mensch geworden: „Eine entzauberte Geschäftsreise macht sich besonders da deutlich, wo das komfortable Vier-Sterne-Hotel dem Drei-Sterne-Haus weichen muss“, sagt Ilona de March, Sprecherin der deutschen Geschäftsführung von TQ3 Travel Solutions. Nach Angaben des Geschäftsreise-Spezialisten liegt das Hotel bei innerdeutschen Dienstreisen durchschnittlich bei 96 Euro, innerhalb Europas darf es etwa 126 Euro kosten. „Fünf-Sterne-Hotels sind heute dem Top-Management der Unternehmen vorbehalten“, heißt es bei TQ3. Unterhalb dieser Ebenen stünden Mitarbeitern in der Regel Drei- oder Vier-Sterne-Hotels zur Verfügung.

In den anhaltenden Spartrend passt auch die Tatsache, dass Unternehmen bei Firmenwagen immer häufiger auf Importfahrzeuge zurückgreifen. Aktuellen Zahlen der Automobil-Marktforscher Dataforce zufolge stieg ihr Anteil von gut 18 Prozent in 2001 auf mehr als 21 Prozent im laufenden Jahr. Besonders die asiatischen Marken Hyundai, Kia, Toyota und Mazda konnten demnach im Flottenmarkt ab zehn Fahrzeugen deutlich zulegen.

Matthias Eberle
Matthias Eberle
Handelsblatt / Ressortleiter Ausland
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