Studie in Großbritannien: Gerichte der TV-Köche machen dick

Studie in Großbritannien
Gerichte der TV-Köche machen dick

Großbritanniens TV-Köche stehen in der Kritik: Die von Jamie Oliver und seinen Kollegen beworbenen Rezepte enthalten laut einer Universitäts-Studie deutlich mehr Fett als Fertiggerichte aus dem Supermarkt.

London/DüsseldorfWas in Deutschland bislang politisch nicht durchsetzbar war, ist auf der Insel längst Alltag: Lebensmittel im Supermarkt sind mit einer Ampel gekennzeichnet - je nachdem wie viel Fett, Salz und Co. sie enthalten und wie gesund sie sind. Wissenschaftler der University of Newcastle fordern die Ernährungsampel nun auch für die Gerichte, die bekannte TV-Köche wie Jamie Oliver in ihren Kochbüchern und Shows an den Hobby-Koch bringen wollen.

Denn die so beworbenen Gerichte seien weniger gesund als man es von selbstgekochtem Essen annehmen könnte. Das Expertenteam um Professor Martin White hat 100 Rezepte der renommierten Köche aus deren bestverkauften Büchern getestet und kommt zu überraschenden Ergebnissen.

„Die Gerichte erscheinen weniger gesund als Fertiggerichte", sagen die Forscher, die einen entsprechenden Bericht im British Medical Journal veröffentlich haben. Für eine ausgewogene Diät eigneten sie schon schon mal gar nicht. Die meisten bekämen in den Ampelkategorien ein gelbes oder gar rotes Label.

Per Portion enthielten die untersuchten Gerichte deutlich mehr Energie, Eiweiß, Fett und gesättigte Fettsäuren und deutlich weniger Ballaststoffe als die abgepackten Mahlzeiten von Marks & Spencers und Co. Die Forscher zählten einige Beispiele auf, etwa von TV-Köchin Nigella Lawson: Ihr in Bier geschmortes Schweinefleischfilet mit Kümmel, Knoblauch, Äpfeln und Kartoffeln hat etwa 1340 Kalorien pro Person und enthält 102 Gramm gesättigte Fettsäuren.

Als Vergleich haben die Ernährungswissenschaftler 100 rein zufällig ausgewählte Gerichte aus den Supermarkttiefkühltruhen gegriffen und untersucht. Selbst das kalorienreichste Gericht - Tescos Chicken Tikka Masala mit Reis - liegt da mit 870 Kalorien pro Person deutlich drunter.

Das Uni-Team hofft, wie es dem Guardian sagte, darauf, dass die TV-Köche ihre Rezepte und die verwendeten Produkte überdenken - ähnlich, wie es die Hersteller von Fertiggerichten nach massiver Kritik vor einigen Jahren getan hatten.

Ein Sprecher von Jamie Oliver sagte auf Anfrage des Guardian, das Thema sei bereits auf dem Schirm. Auf der Website von Englands bekanntestem Koch sollen künftig Informationen zu den Zutaten der Gerichte stehen. Die ebenfalls am Pranger stehende Lorraine Pascale ließ mitteilen, dass ihre Bücher nicht explizit gesunde Ernährung thematisierten, sondern das Kochen.

Die Kritiker der englischen TV-Gourmet-Köche lassen allerdings die Frage, ob die untersichten Gerichte Zusatzstoffe wie Konservierungs- und Farbstoffe und überhaupt grundsätzlich für die Ernährung gesunde Zutaten wie Gemüse enthalten, bei der Untersuchung außer Acht.

Handelsblatt-Autorin Désirée Linde
Désirée Linde
Handelsblatt / Freie Journalistin
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