Syrien
Glanzlichter Arabiens

Tempel, Kirchen und Moscheen: Eine Reise durch Syrien ist wie ein Pilgerpfad durch römische, christliche und muslimische Traditionen. Das Straßenbild zeigt junge Frauen mit westlich orientierter Kleidung ebenso wie Frauen mit Kopftuch und verschleierte Syrerinnen – ein tolerantes Nebeneinander der Religionen.

Es war heiß unten in der Stadt. Oben auf dem Jebel Qasiyun jedoch, dem Hausberg von Damaskus, sorgt leichter Wind für Kühlung. Die Ankunft an dem beliebten Aussichtspunkt hat Betriebsamkeit unter den Männern ausgelöst, die hier auf Besucher aus der Stadt warten. Ein Kleinlaster ist herangerollt, sein Besitzer zeigt auf Datteln und Feigen, Salzmandeln und Pistazien, die er zum Kauf auf der Ladefläche ausgebreitet hat. Kleine Kostproben davon werden herumgereicht. Halbwüchsige holen Tabletts mit Kaffee und Tee von nahen Imbissständen herbei, schieben Plastikstühle und Tische zurecht.

So versorgt, lässt sich der großartige Blick über Damaskus genießen. Ein grauweißes Häusermeer breitet sich zu Füßen des steinigen Berghangs, an dem Kain seinen Bruder Abel erschlagen haben soll, bis zum Horizont aus. Dazwischen grüne Einsprengsel: Die Hauptstadt Syriens liegt inmitten einer ausgedehnten fruchtbaren Oase. Wo der unterirdische Wasserreichtum aufhört, beginnt schon die Wüste, die mehr als die Hälfte des Landes bedeckt. In den nächsten Tagen werden wir sie durchqueren – auf unserer Reise zu den archäologischen Ausgrabungsstätten Syriens.

Jetzt erst einmal Damaskus. Auf Schritt und Tritt begegnet man in der Altstadt den Überresten aus hellenistischer, frühchristlicher und früher muslimischer Zeit. In Syrien stießen im Laufe der Jahrtausende und Jahrhunderte immer orientalischer und westlicher Einfluss aufeinander. Typisch für diese Mischung der Kulturen, der Besucher an vielen Stätten im Land begegnen, ist die prächtige Omayyaden-Moschee.

Wo sie nach der Eroberung von Damaskus durch die Araber errichtet wurde, befand sich zuvor ein antiker Jupiter-Tempel, von dessen einstigem Westtor noch Säulen- und Giebelreste erhalten sind. Im 4. Jahrhundert wurde die römische Kultstätte in eine christliche Kirche umgewandelt, danach zu Beginn des 8. Jahrhunderts die Große Moschee erbaut. In einem Schrein im Gebetssaal soll sich das Haupt von Johannes dem Täufer befinden, dem christlichen Heiligen, der auch im Islam verehrt wird.

Westliche Touristinnen, welche die Moschee besichtigen wollen, müssen einen knöchellangen Umhang umlegen, der beim Eingang auszuleihen ist. Ansonsten herrscht in Syrien Toleranz in Kleiderfragen, wie das Straßenbild zeigt. Junge Frauen in hautengen Jeans oder kurzem Rock bewegen sich selbstbewusst neben Kopftuch tragenden oder völlig schwarz verschleierten Syrerinnen – auffällig ist das tolerante Nebeneinander der Religionen. Zwar sind rund neunzig Prozent der Syrer Moslems. Doch auch die Angehörigen der christlichen Minderheit im Lande, überwiegend griechisch-orthodoxer Konfession, dürfen ihre Religion ungehindert ausüben. Diese Toleranz ist eine Folge der kulturellen Begegnungen im Laufe der syrischen Geschichte. Freilich ist das Verhältnis zu den Juden gespannt, was nicht zuletzt mit dazu führte, dass Syrien zusammen mit Iran und Nordkorea zu den „Schurkenstaaten“ gezählt wird. Ein Umstand ist das, von dem der gewöhnliche Tourist normalerweise nichts mitbekommt, ebenso wenig wie von den teilweise explosiven Situationen in den unmittelbar angrenzenden Nachbarländern Irak und Israel, Libanon, Türkei und Jordanien.

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