„Tall Ships’ Races 2007“
Pommersche Perlen

Stettin takelt sich gerade mächtig auf: Übernächstes Wochenende ist die Oderstadt Gastgeberin für 300 aufregende Großsegler aus aller Welt: Vom 4. bis 7. August wird das polnischen Szczecin (Stettin) Austragungsort der „Tall Ships’ Races 2007“ sein.

STETTIN. Jetzt im Juli scheint die Trendfarbe der Stadt Signalorange zu sein. Bauarbeiter in weithin sichtbaren Schutzwesten teeren und befestigen den Uferweg an der Oder und machen ihn landfein. Auch im Stadtinneren müssen Bürger und Besucher öfter um Baustellen einen Bogen machen, als ihnen lieb ist. Wie ein Rodinscher Denker von Stettin stützt sich der Gerüstbauer dort oben auf dem Hausdach auf sein Kinn und sinniert, den mattgrünen Turm der Medizinischen Akademie vor Augen, über der Stadt. Über die Stadt?

Wahrscheinlich kratzt sich Szczecin (Stettin) in diesen Tagen auch deswegen so festlich auf, weil es vom 4. bis 7. August Austragungsort der „Tall Ships’ Races 2007“ sein wird, der berühmten Regatta von 300 alten und neuen Großseglern aus 100 Nationen, die jedes Jahr auf europäischen Meeren stattfindet. Dann wird die Hafenstadt ihre Baustellen hoffentlich geräumt, ihre Signalfarben abgestreift und Takelweiß sowie Marineblau übergelegt haben. Die Vorfreude darauf ist allüberall auf Plakaten mit gewaltigen Ausmaßen abzulesen, die der Sponsor, eine örtliche Bierbrauerei, über Hausfassaden ausgebreitet hat. Es wimmelt von Schiffsmotiven in der alten Hafenstadt.

Nun wäre Stettin/Szczecin nur mit Seemannsgarn als Stadt am Meer zu verkaufen; tatsächlich beginnt die offene Ostsee rund 60 Kilometer weiter nördlich. Aber die Breite der Odermündung hat dem Schiffsverkehr seit je so ideale Bedingungen geboten, dass Stettin im Mittelalter zur Hansestadt gedieh, unter den Preußen zum „Hafen von Berlin“ wurde und heute Polens wichtigster Hafen- und Werftenstandort ist.

Der Beweis dafür ist während einer eineinhalbstündigen Hafenrundfahrt auf der „Odra Queen“ zu besichtigen. Der Fahrgastdampfer ist in diesen Tagen fast eingekeilt von flachen Flußkreuzfahrtschiffen der bremischen Reederei Deilmann; auf dem Deck der „Katharina von Bora“ versuchen ein paar Gäste, verregnete Oderluft zu schnuppern.

An mächtigen Hafenkränen entlang führt die Rundfahrt, ein Ladekran trägt weithin das Logo aus einem vergangenen Industriezeitalter: „VEB Kranbau Eberswalde“. Wirtschaftshistorisch noch ein bisschen weiter zurück datiert die sehr verwitterte Inschrift auf einem backsteinernen Fabrik- und Kontorgebäude. Irgendwas mit „Kathreiner“, „Rösterei“ und „Malzkaffee“ ist zu entziffern, mithin Muckefuck.

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