Tanz-Plagiat
Beyoncé soll von belgischer Choreografin abgekupfert haben

Anne Teresa De Keersmaeker hätte vor Gericht gegen Beyoncé vermutlich gute Karten. Denn die US-Amerikanerin hat Tanz-Bewegungen von der Belgierin übernommen. Doch gerade bei Choreografien ist die Rechtslage schwierig.
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DüsseldorfIn ihrem vor gut zwei Wochen veröffentlichten Video „Countdown“ tanzt die weltbekannte Sängerin Beyoncé Knowles bekannt lasziv, bekannt sexy. Ein wenig zu bekannt offenbar. Die belgische Choreografin Anne Teresa De Keersmaeker wirft der in Texas geborenen Knowles vor, aus ihren Werken „Rosas danst Rosas“ und „Achterland“, die 1997 beziehungsweise 1990 verfilmt wurden, abgekupfert zu haben. Dass De Keersmaekers Stücke Eingang in ihr Werk gefunden haben, streitet Beyoncé nicht mal ab.  Zu offensichtlich sind die Parallelen.

Beyoncé streicht sich in einer Szene etwa die langen, schwarzen Haare mit den Händen nach hinten, wackelt kurz mit den Schultern und streift sich das Hemd von selbigen. Genauso ist es in einer Szene aus De Keersmaekers Stück zu sehen. Das gilt für weitere Passagen, etwa eine kurze Sequenz, in der sich drei Tänzerinnen über den Boden rollen. „Countdown“ sei ein Plagiat, schimpft De Keersmaeker. Außerdem habe sie schon Schulkinder ihre Stücke besser performen sehen.

Sie und ihre Choreografen hätten sich inspirieren lassen, aber nicht nur von De Keersmaeker, lässt Knowles mitteilen. Auch von Twiggy, Diana Ross, Brigitte Bardot und Andy Warhol. Doch die Grenzen dazwischen, sich inspirieren zu lassen und abzukupfern sind fließend. Dass es offenbar ganze Sequenzen sind, die Knowles übernommen hat, bringt sie in einen rechtlichen Graubereich.

Allein das Haare-zurück-Streichen – eine Alltagsbewegung - fällt noch nicht unter das Urheberrecht, ganze Passsagen schon. Entscheidend ist laut Paul W. Hertin, Professor und Rechtsanwalt unter anderem mit dem Schwerpunkt Urheberrecht, ob eine Bewegung oder ein Bewegungsablauf nur angelehnt ist an ein Original oder nachgeahmt wird. Wie hoch ist der Grad der Individualität, auch schöpferische Höhe genannt? Einzelne Bewegungen im Tanz können Standard sein und fallen dann nicht unter das Urheberrecht. Eine Kombination von Bewegungen mit individuellem Charakter dagegen schon.

Damit hätte De Keersmaeker vor den Gerichten Aussicht auf Erfolg – ganz gleich, ob sie in Belgien oder den USA klagen würde. Oder sogar in Deutschland. Das ist möglich, denn das Beyoncé-Video ist in Deutschland zu kaufen.

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