Tarifstreit
Bahnverkehr droht Totalstillstand

Der erste Streiktag bei der Bahn ist vorbei. Am Morgen stand der Zugverkehr in manchen Teilen der Republik still. Tausende Pendler kamen zu spät zur Arbeit. Aber gegen das, was am Dienstag droht, war der Montag harmlos. Die Lokführer treten in den Ausstand – und zwar in ganz Deutschland.

HB BERLIN. Die Gewerkschaft Deutscher Lokführer will am Dienstag von 5.00 bis 9.00 Uhr bundesweit streiken. Das teilte sie am Montag in Frankfurt am Main mit. Die Arbeitskampfmaßnahmen sollen sowohl den Personen- als auch den Güterverkehr betreffen.

„Da es zu erheblichen Beeinträchtigungen im Bahnverkehr kommen wird, raten wir den Reisenden, in dieser Zeit auf Zugfahrten zu verzichten“, erklärte der Bundesvorsitzende der GDL, Manfred Schell. Er begründete die Aktion damit, dass sich die Bahn bisher „strikt geweigert“ habe, „mit uns über einen eigenständigen Tarifvertrag für das Fahrpersonal zu verhandeln“.

Die GDL fordert bis zu 31 Prozent mehr Geld und einen Tarifvertrag extra für Zugführer. Aktuell verhandelt die Bahn nur mit den beiden anderen Gewerkschaften Transnet und GDBA. Diese fordern 7 Prozent mehr Entgelt für die 134 000 Bahnbeschäftigten, mindestens aber 150 Euro. Die Arbeitgeber hatten zuletzt eine Einmalzahlung von 300 Euro sowie Erhöhungen um jeweils zwei Prozent für 2008 und 2009 angeboten. Das hatten Transnet und GDBA als „Almosen“ abgelehnt.

Mit ersten Warnstreiks haben die Gewerkschaften am Montag den Tarifkonflikt bei der Deutschen Bahn verschärft. In mehreren Stellwerken, Werkstätten und Bahnhöfen legten Mitarbeiter des Unternehmens am frühen Morgen vorübergehend die Arbeit nieder. Dadurch fielen in einigen Regionen Züge aus, andere verspäteten sich. Gegen 9.00 Uhr wurden in Hamburg und Kempten die letzten Warnstreiks des Tages beendet, wie Transnet mitteilte.

Streiks in der ganzen Republik

Starke Behinderungen des morgendlichen Berufsverkehrs gab es am ersten Streiktag in Baden-Württemberg. Tausende Pendler mussten vor allem in Freiburg und Karlsruhe lange Verspätungen in Kauf nehmen. Viele Züge verspäteten sich um bis zu 60 Minuten. In Mecklenburg-Vorpommern fielen nach Bahnangaben 28 Züge aus, darunter 10 Fernzüge. Die Hauptbahnhöfe von Rostock und Wismar wurden am frühen Morgen vollständig lahm gelegt. Vier Fernzüge ab Dortmund konnten nicht abfahren, weil dort der Betriebsbahnhof bestreikt wurde. In Erfurt führte ein Ausstand von Mitarbeitern der Zugbereitstellung zum Ausfall einiger Regionalbahnen. In Hamburg bleib das Reisezentrum des Hauptbahnhofes für zwei Stunden geschlossen, Fahrkarten gab es nur an Automaten.

Nach Auskunft der Deutschen Bahn war auch der Regionalverkehr im Allgäu von Zugausfällen betroffen. Nur wenig Behinderungen verursachten den Angaben zufolge die Arbeitsniederlegungen in München, wo das ICE-Werk bestreikt wurde. In Frankfurt am Main traten knapp 100 Beschäftigte in der S-Bahn-Werkstatt, der Reisezug-Werkstatt und der ICE-Werkstatt am Morgen in einen befristeten Ausstand, ohne dass es nach Polizeiangaben größere Behinderungen gab. In Thüringen und Sachsen fielen einige Regionalbahnen aus. „Wie lange die Auswirkungen danach noch sein werden, ist schwer einzuschätzen“, sagte Transnet-Vorstandsmitglied Alexander Kirchner im Deutschlandfunk.

Die stellvertretende Vorsitzende von Transnet, Regina Rusch-Ziemba, räumte im ZDF-Morgenmagazin ein, dass der Streik Nachteile für die Kunden mit sich bringen werde. Sie äußerte aber die Hoffnung auf Verständnis bei den Bahnfahrern. Die Eisenbahner hätten schon sehr große Zugeständnisse gemacht, für Arbeitsplatzsicherheit hätten sie auf 5 Prozent Gehalt verzichtet.

Hilfte für Reisende

Die Bahn bot an, streikbedingt nicht genutzte Tickets zu erstatten. Außerdem können Fahrgäste, die ihren gebuchten Zug wegen eines Streiks verpassen, unter Umständen den nächstmöglichen benutzen, auch wenn es ein höherwertiger sein sollte. Die Entscheidungen würden aber jeweils im Einzelfall getroffen, die Reisenden sollten deshalb auf die Durchsagen in den Bahnhöfen achten, erläuterte ein Bahnsprecher am frühen Montagmorgen. Unter der Telefonnummer 0 80 00 / 99 66 33 richtete sie eine Hotline ein. Informationen gibt es auch im Web: » www.bahn.de/blitz/view/index.shtml.

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