Tarifverhandlungen
Bahn-Mitarbeiter kündigen erste Streiks an

Im Sommer drohen Ausfälle und Verspätungen bei der Bahn. Schon in der ersten Juli-Woche will die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer streiken, falls Bahnchef Hartmut Mehdorn in den Tarifverhandlungen nicht nachgibt.

HB BERLIN. Bahnchef Hartmut Mehdorn gab am Dienstag bei der ersten Runde der Tarifverhandlungen für 134 000 Arbeitnehmer zwar die Marschroute aus, „streikfrei ans Ziel“ zu kommen. Die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) kündigte aber Streiks für die erste Juliwoche an. Die Friedenspflicht endet am 30. Juni. Die Verhandlungen wurden nach gut zwei Stunden ohne ein Angebot der Arbeitgeberseite auf den 26. Juni vertagt.

Der Bahnchef wies die Tarifforderung der Gewerkschaften von sieben Prozent, mindestens aber 150 Euro mehr Lohn als „extrem hoch“ zurück. Der Vorsitzende der Gewerkschaft Transnet, Norbert Hansen, erklärte, nach der Sanierung der Bahnbilanzen sollten nun auch die Arbeitnehmerhaushalte eine positive Bilanz aufweisen können. Angesichts der Niedriglohndebatte in Deutschland habe besonders die 150-Euro-Forderung „hohe Priorität“ in den Verhandlungen.

Mehdorn sagte, es seien „die höchsten Angebote, die in dieser Tarifrunde überhaupt über den Tisch gegangen“ seien. Die GDL, die an der Tarifrunde nicht teilnimmt, sondern einen eigenen Spartentarifvertrag fordert, erklärte in Frankfurt, „Streik in der 1. Juliwoche (ist) nicht mehr abzuwenden“. Schuld daran sei die Deutsche Bahn, weil sie sich seit März strikt weigere, einen eigenständigen Tarifvertrag für das Fahrpersonal zu verhandeln. Die GDL hat für einige Lohngruppen Steigerungen bis zu 31 Prozent verlangt. Vor Gericht strittig ist, ob sie das Recht auf eigene Tarifverhandlungen hat. Zwar sind rund 60 Prozent der 20 000 Lokführer in ihr organisiert, aber nur knapp über zehn Prozent des übrigen Zugpersonals. In allen anderen Berufsgruppen der Bahn ist die GDL kaum vertreten.

Der Vorsitzende der mit der Transnet in einer Tarifgemeinschaft zusammengeschlossenen GDBA, Klaus-Dieter Hommel, bezeichnete die Aussagen der Konzernspitze, die Forderungen seien zu hoch, als „Diffamierung“.

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