Testfahrt im Panzer

Adrenalin-Kick im Outdoorpark

Mit Panzern fahren oder einen Hubschrauber fliegen - im niedersächsischen Fursten Forest kommen Action-Fans auf ihre Kosten. Für die Initiatoren sind die Zeiten aber nicht so rosig: Sie schreiben keine schwarze Zahlen.
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Ein Schützenpanzer im Fahrtest
Das Modell
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Der russische Schützenpanzer BMP-1. Das Monstrum hat 13,5 Tonnen Gefechtsgewicht, ist 6,74 Meter lang, 2,94 Meter breit und 2,15 Meter hoch. Mit diesen Ausmaßen ist das Vehikel natürlich nur bedingt für Innenstädte geeignet. Vorteil: Sind die Rettungswege blockiert, stellt es mit dem BMP-1 kein Problem dar, es über die geparkten Fahrzeuge selbst zu probieren.

Die Motorisierung
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Der BMP-1 begnügt sich mit einem 300-PS-Dieselmotor. Die sechs Zylinder lassen die Maschine schnurren wie eine beladene Waschmaschine, die die Treppe hinunterstürzt. Der satte Sound weckt jeden Nachbarn auf und entlockt Kennern ein angstvolles Frösteln. Der Verbrauch pendelt sich im Gelände auf schmale 250 Liter pro 100 Kilometer ein. Auf der Straße hat das Gefährt eine Reichweite von 600 Kilometern – für den ambitionierten Wochenendausflug reicht die Tankfüllung von 462 Litern da so gerade.

Der Innenraum
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Geräumig, geräumiger – BMP-1! Bis zu drei Mann Besatzung und acht Mitfahrer finden im Fond des russischen Erfolgsmodells Platz. So wird auch ein Ausflug in der Gruppe zum Kinderspiel. Auf den Sitzbänken am Heck lassen sich prima auch Einkäufe und Gepäck verstauen. Sind nur Fahrer und Beifahrer an Bord, reicht es spielend für zehn bis 20 Kästen Bier. Da macht dem BMP-1 so schnell kein Fahrzeug etwas vor.

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Für die Passagiere ist es im hinteren Teil des Panzers natürlich nicht allzu komfortabel. Schon bei geringen Geschwindigkeiten ist mit erheblichem Aufschaukeln zu rechnen. Kenner fühlen sich dabei an Fahrzeuge des Herstellers Lada erinnert. Da es keine Gurte gibt, steht für bis zu vier Mitfahrer eine Design-Schutzkappe serienmäßig zur Verfügung. Der Rest muss eben sehen, wo er bleibt.

Die Bereifung
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Wer sich für den BMP-1 entscheidet, der übrigens weltweit noch vielfach im Einsatz ist (bei einem Aufeinandertreffen grüßen sich Fahrer gern mit einem beherzten Salutschuss), braucht sich über Sommer- und Winterreifen nie wieder Gedanken machen. Die Ketten des Panzers sind für jeden Untergrund geeignet. Auf Asphalt ist der Verschleiß allerdings höher als im Gelände, sie sollten alle 100 Kilometer die Straße wechseln. Praktisch: Sollte die Kette einmal reißen, muss das Gerät lediglich mittels eines Grabens aufgebockt und das defekte Panzerglied ausgetauscht werden. Das dauert maximal zwei Stunden. Den ADAC sollten Sie aus dem Spiel lassen.

Im Cockpit
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Das Cockpit ist eher spartanisch ausgestattet. Vielmehr als die Bedienelemente und einige Messgeräte finden sich nicht. Eine Mittelkonsole suchen Sie vergeblich, gleiches gilt für eine Klimaanlage. Die ist nicht einmal gegen Aufpreis verfügbar – schade! Dafür lassen sich beim BMP-1 gleich mehrere Luken öffnen, was die Luftzirkulation begünstigt. Bei Niederschlag (Regen, Schnee, Artillerie) können sich alle Besatzungsmitglieder in den Innenraum zurückziehen. Hier helfen Periskop-ähnliche Spiegelkonstruktionen, die jedoch das Sichtfeld erheblich einschränken. Hinweis: Versuchen Sie nicht, rückwärts einzuparken. Fahren nach Gehör ist keine Option.

Fahrverhalten
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Lenkrad, Kupplung, Gas, Bremse – im BMP-1 erwartet den ambitionierten Fahrer nichts, was er nicht auch aus seinem Q7, Touareg oder Cayenne kennen würde. Dafür gibt es keine Elektronik, keine Fahrassistenten und keine Ledersitze. Die Kupplung ist etwas behäbiger, was aber nicht weiter stört. Die Beschleunigung ist angesichts des Gesamtgewichts akzeptabel, die Endgeschwindigkeit von 65 km/h erscheint etwas niedrig und zehrt bei langen Reisen an den Nerven.
Wenden lässt sich das Kettenfahrzeug leicht, in Kurven sollten Ungeübte jedoch aufpassen. Im Gelände fallen die fehlenden Assistenzsysteme nicht weiter auf – Sie überrollen ohnehin jedes Hindernis. Die Federung ist etwas hart, die Mitreisenden spüren das Fahrerlebnis gerade bei sportlicher Gangart am ganzen Körper. Wenig überraschendes Urteil: Das Vehikel fährt sich wie ein Panzer.

Fürstenau300 PS jaulen auf. Der Fahrer lässt die schwergängige Kupplung kommen, verpasst ein wenig den Schleifpunkt und rettet die Lage durch beherzten Druck aufs Gaspedal. Aber das Gefährt schießt nicht nach vorne, es macht einen Ruck und rollt behäbig voran. Ketten graben sich in den matschigen Untergrund, denn das Vehikel ist ein BMP-1, ein russischer Schützenpanzer. Der schwimmfähige Panzer wiegt locker 13 Tonnen und wird gefahren von Handelsblatt-Autor Patrick Kleinmann.

Nach dem Warmwerden auf gerader Strecke lenkt er den Stahlkoloss fast routiniert über Anhöhen, durch Kurve und durch Senken. Dass die Schrägen dabei die 45-Grad-Neigung zum Teil empfindlich überschreiten, merkt man als Mitfahrer mitunter schmerzlich. Ein Unterschied zum Profi ist jedoch auszumachen. „Das ist einfach nur wie ein anderes Auto fahren“, erklärt Kleinmann im Anschluss mit einem dicken Grinsen im Gesicht.

Die Strecke liegt im „Fursten Forest“ mitten im sonst eher unauffälligen Osnabrücker Land, auf dem 362 Hektar großen Gelände einer ehemaligen Bundeswehrkaserne im niedersächsischen Fürstenau. Hier kann jeder Panzerfahren – solange er das nötige Kleingeld mitbringt.

Das ist prinzipiell nichts, was sich nicht auch woanders erleben ließe. Allein die Online-Portale Jochen-Schweizer.de und Mydays.de, auf Geschenkideen mit „Action“ spezialisiert, führen bis zu fünf Angebote im Shop, im gesamten Bundesgebiet und Tschechien. Auch die weiteren Aktivitäten, mit denen der „Fursten Forest“ ködert, lassen sich quer durch die Republik erleben: Hubschrauberrundflüge, die Fahrt in einem Supersportwagen, Quad, Kart und Geländewagen fahren, Paintball spielen.

Deutlich unsportlich, aber zumindest für Männer mindestens genauso interessant:  Der militärische Fuhrpark. Mit dabei sind ein M48 Patton (Vordergrund), drei BMP-1 Schützenpanzer (Mitte) und auch Spezialfahrzeuge wie der Unimog.

Deutlich unsportlich, aber zumindest für Männer mindestens genauso interessant: Der militärische Fuhrpark. Mit dabei sind ein M48 Patton (Vordergrund), drei BMP-1 Schützenpanzer (Mitte) und auch Spezialfahrzeuge wie der Unimog.

Doch die Kombination aus allen ist, wie die Verantwortlichen stolz betonen, europaweit ziemlich allein auf weiter Flur. Das liegt vor allem an der einstigen Pommern-Kaserne selbst: „Das Gelände ist einzigartig“, erläutert Projektleiter Cees Meekers. Gemeint sind nicht nur die unerhört große Fläche und die für Geländefahrten ausgelegte Infrastruktur darauf, sondern auch die bestehenden Gebäude.

Die werden als Werkstatt, in Zukunft auch für Hotels und Gastronomie genutzt. Meekers geht in der Präsentation des Konzepts durch und durch auf und – den von Adrenalin und Endorphin am Ende etwas verklärten Blick beiseite – das, was der Niederländer vorstellt, hat tatsächlich Hand und Fuß.

Die Idee für den Park hatten drei Geschäftsmänner aus dem Großraum Enschede. Die Entstehungsgeschichte könnte kaum passender zum Projekt sein: Im Business Club des Fußballklubs Twente treffen Jan Boomkamp, Peter van Merksteijn und Hans Lesscher aufeinander. Über Kontakte erfahren sie von dem zum Verkauf stehenden Gelände in Deutschland, zunächst soll dort schlichtweg ein Jagdrevier entstehen.

Ein teurer Spaß
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