Thailand
Im Paradies der Nesterdiebe

Thailand könnte ein Traumziel sein. Wäre da nicht die Erinnerungen an den Tsunami, der am 26. Dezember 2004 durch den Indischen Ozean bebte. Doch langsam kommt der noble Tourismus rund um Phuket wieder auf Touren.

PHUKET. Sehr breitwinklig, fast bungalowartig flach liegen die blau gedeckten Dächer über dem Dutzend schlohweiß gestrichener Holzhäuser. Gegen das Wechselbad von Ebbe und Flut sind die Häuser auf Stelzen aufgerichtet. Treppen führen zu den hübschen Hauseingängen, die zugleich Terrassen sind und den Blick auf den Sonnenuntergang freigeben, der sich gerade über dem Andamanen-Meer kitschig inszeniert wie für eine Fototapete. Fischerboote schaukeln am Ufer, um den langnasigen Bug herum sind bunte Tücher geschwungen.

Alles an der kleinen Fischersiedlung unweit von Khao Lak scheint niegelnagelneu zu sein. Ein Idyll könnte das alles sein. Wären da nicht die Erinnerungen an den Tsunami, der am 26. Dezember 2004 durch den Indischen Ozean bebte und hier, an der Südküste Thailands, Zehntausende in den Tod riss, Dörfer und Siedlungen vernichtete, Landschaften überschwemmte.

Milliarden aus aller Welt flossen daraufhin in den Wiederaufbau, von dessen Fortschritt sich jeder ein gutes Bild machen kann, der zum Beispiel mit dem schnellen Wellenhüpfer „Lady Sarojin“ einen Abendausflug an der Küste entlang macht. Und wer es ganz genau wissen will, der begibt sich einfach abends in eine der Kneipen von Khao Lak, wo es Bier zu trinken und Billard zu spielen gibt.

Dort hängen die lässigen Aufbauhelfer vom „Habitat Tsunami Recovery Project“ abends fröhlich ab, meistens Australier wie Nick, der seinen Job als Englisch-Lehrer eine Weile an den Nagel gehängt hat, um in den Siedlungen rund um Khao Lak neue Fischerhäuser auf die Stelzen zu stellen.

Wenn Nick so gut im Hausbau ist wie beim Poolbillard, dann braucht uns um den Wiederaufbau nicht bange zu sein. Wenn Kate Kemp freilich so schlecht wäre im Hotelgeschäft, wie sie im Duett mit dem noch erfolgloseren Reporter am Billardtisch war – dann stünde es erbärmlich um „The Sarojin“, die luxuriöse Ferienanlage, die sie mit ihrem Mann Andrew seit Oktober 2005 hier führt.

Aber zur Sorge gibt’s keinen Anlass (auch wenn der Hotel-Sanitäter „Au“ heißt) , denn das Sarojin ist eine mit britischer Gelassenheit und beiläufiger Eleganz geführte Luxus-Anlage, über der abends schon mal viele kleine Lampions in den dunklen Himmel über Khao Lak schweben, die sich vielleicht bis hinüber zum Nationalpark Khao Sok verlieren, der nach dem höchsten Berggipfel der Region benannt wurde. Rast an einer der Straßenbuchten, die einen freien Blick über die Weite des Nationalparks erlauben. Beiderseits einer Talsohle recken sich düstere Felsgrate in den Himmel, formen wunderliche Scherenschnitte gegen das wuchernde Grün der Urwälder und Plantagen.

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