Thomas Müller als Testimonial
Die Grill-Jünger

Die Deutschen lieben das Grillen – und sind bereit, für das Equipment viel Geld auszugeben. Das Luxus-Segment wächst. Doch ein Anbieter dominiert den Markt. Der Weber-Grill ist zum Tempo-Taschentuch der Branche geworden.
  • 0

MünchenChristoph Nauheimer steht vor dem geöffneten Kugelgrill. In einem Metallzylinder ist die Kohle abgebrannt, jetzt soll sie in der Schale gleichmäßig verteilt werden. So machen Profis das. Umständlich zieht sich Nauheimer Handschuhe an, die ihm fast bis zu den Ellenbogen reichen.

Sie sind mit einem schwarzen Fleece-Stoff überzogen und an den Hand- und Fingerflächen mit einer schmalen Gummierung versehen. Nauheimer hält inne. „Ich bin ja wirklich kein Verkäufer von Weber“, setzt er an. Er sagt den Satz an diesem Abend ziemlich oft.

„Aber mit den Handschuhen von Weber habe ich mich in all den Jahren kein einziges Mal verbrannt.“ Während er das sagt, schüttet er die Kohle aus und greift sich wie zur Bestätigung ein glühendes Brikett. Die 20 Teilnehmer der Grill-Akademie schauen interessiert zu und nicken schweigend.

Es stimmt: Der Koch und Grillmeister Christoph Nauheimer will wirklich nichts verkaufen, an diesem Abend wird auch nichts verkauft. Die Teilnehmer haben 100 Euro Eintritt bezahlt und müssen nicht mehr überzeugt werden. Zuhause steht ja schon ein Weber-Grill oder sogar ein zweiter. Die Weber'schen Wunder-Handschuhe haben die meisten längst im heimischen Garten.

An diesem späten Samstagnachmittag in München findet eine von jährlich fast 2000 Grill-Akademien von Weber Stephen in Deutschland statt. Grillbegeisterte lernen dabei, wie sie mit den heimischen Geräten auch kochen können, wie sie eine Schweine-Lende richtig für den Rost vorbereiten oder wie man mit einem Smoker die Schulter vom Rind räuchert. Jedes Detail, jedes Rezept und jeder Handgriff sind genau vom Unternehmen festgelegt. Alles basiert auf der Grillbibel, ebenfalls von Weber Stephen herausgegeben.

Knapp eine Millionen Mal hat sich das Buch  verkauft. Erst seit 1999 hat das Unternehmen eine Niederlassung in Deutschland, doch es hat sich in dieser Zeit zu einem der Platzhirsche der Branche entwickelt und ist heute wohl die Nummer zwei am Markt. Genaue Verkaufs- und Umsatzzahlen werden nicht veröffentlicht, doch nach eigenen Angaben kommt Weber auf einen „wertmäßigen Marktführer mit deutlichen Abstand“. Doch ganz abgesehen von den reinen Verkaufszahlen ist es dem US-Hersteller gelungen, das Thema Grillen fast vollständig für sich zu besetzen.

Der Erfolg von Weber ist direkt verbunden mit dem Grill-Hype in Deutschland. Rudolph Jaeger, Ratgeber-Autor und Manager des deutschen Grillsportvereins, erinnert sich: „Wer vor fünf Jahren seiner Frau gesagt hat, dass er 500 Euro für einen Grill ausgeben will, wäre für verrückt erklärt worden.“

Früher war ein Grill einfach ein Grill: Würstchen und Koteletts brutzelten darauf und brannten nicht selten an. Heute liegen T-Bone-Steaks auf dem Rost, die Ansprüche haben sich verändert. Mit indirekter Hitze wird das Fleisch wie in einem Umluftherd gegart. Grillen ist nicht mehr bloß das unkomplizierte Zubereiten von Essen, es hat sich zu einer Kunst entwickelt, die in unzähligen Büchern und Grill-Kursen gelehrt wird. Doch ganz am Anfang, als der Hype ausbrach, als der Grill auf einmal einen Deckel haben sollte, da gab es vor allem einen Anbieter: Weber Stephen.

Kommentare zu " Thomas Müller als Testimonial: Die Grill-Jünger"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%