Tipps für Vielreisende
Reisen zum Wolkenkuckuck

Die Frage, mit der Vielreisende am häufigsten konfrontiert werden, lautet nicht etwa „Darf’s ein bisschen mehr sein?“, sondern: „Aisle or window seat?“ „Fenster oder Gang?“ Schwierige Frage. Was dem Fenstersitz zu neuer Attraktivität verhilft, wie es um Experimentalreisen bestellt ist und was „On the Road“ gerade feiert.

Im Augenblick neigt Ihr Business-Traveller aus quasi literarischen Motiven für „Fenster“. Zufällig ist mir nämlich ein faszinierendes Taschenbuch vor Augen gekommen, dessen Inhalt mich geradezu magnetisch, wenn nicht magisch ans Fenster zieht: „The Cloudspotter’s Guide“ von dem englischen Autor Gavin Pretor-Pinney, der nicht nur einen 320-seitigen Faktenhymnus auf alles Wolkige geschrieben hat, sondern seinen sehr britischen Spleen auch noch in einen noch britischeren Verein gehüllt hat: „The Cloud Appreciation Society“ (www.cloudappreciationsociety.org). Aus dem Manifest der Gesellschaft: „Wir glauben, dass Wolken ungerechterweise ein schlechtes Image haben und dass das Leben ohne sie unermesslich ärmer wäre.“ Wenn auch Sie Wolken zu schätzen wissen, besorgen Sie sich das wunderbare Wolkenbuch, nehmen Sie am Flugzeugfenster Platz, und studieren Sie den Himmel mit Gavin Pretor-Pinney daraufhin, ob Kumulus-Wolken tatsächlich dazu neigen, sich zu Elefanten, Katzen, Albert Einstein oder Bob Marley zu formieren (Verlag Hodder & Stoughton, London 2006, 12,90 Euro).

Als ähnlich kurzweilige Reiselektüre genieße ich übrigens „The Lonely Planet Guide to Experimental Travel“ von Rachel Antony und Joel Henry (Lonely Planet Publications, 2005). In dem kongenial gestalteten Buch über schräge Reiseziele erfahren wir zum Beispiel, wie es ist, endlich mal an einen Ort zu reisen, der noch nie empfohlen wurde, und zwar ohne viel Zeit, mit wenig Geld und in Unkenntnis der Landes- oder Fachsprache. Einer der Autoren, bar jeden Insiderwissens, begab sich zur Frankfurter Börse und beobachtete ratlos den Computerhandel. Ein anderer schildert einen elfstündigen Aufenthalt als Tourist in der größten Einkaufsmeile der Welt, der West Edmonton Mall. Nach sechs Stunden, schreibt der Autor, „setzte das Delirium ein“.

Zum Schluss möchte ich Ihnen eine klassisch gewordene Reiselektüre empfehlen, die jeder von uns kennt und die in diesen Tagen ein halbes Jahrhundert zwischen den Buchdeckeln hat: Jack Kerouacs „On the Road“, Penguin Books, 10,90 Euro. Dieses Vademekum der Beat-Generation bringt uns bis heute auf den guten, alten Geschmack von Freiheit, Abenteuer und Reisefieber.

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