Traditionsreiche Business- Lokale: Teil I
Züricher Gastronomie-Rätsel

Es gibt Restaurants, die den Trend bestimmen und Renner bei der Gastro-Prominenz sind. Aber ebenso schnell wieder ihre Beliebtheit verlieren. Und es gibt die „Kronenhalle“, die mit einer unerklärlichen, viele Jahrzehnte überdauernden Attraktivität von Bankern und Schauspielern, von Dichtern und Managern frequentiert wird. Ein Lehrstück der gastronomischen Entschleunigung.

Die Fassade könnte eine gründliche Reinigung vertragen. Die weißen Gardinchen, die den Blick ins Innere verwehren, erinnern an Großmütterchens Dekor. Es sieht alles ein bisschen überholt, fast schon todlangweilig aus. Aber die leicht verwitterten Lettern verkünden, dass in diesem Haus an der Rämistrasse in Zürich – gleich neben dem belebten Bellevue-Platz – eine gastronomische Institution von weltweitem Ruf daheim ist: die „Kronenhalle“.

Es gibt Restaurants, die den Trend bestimmen und Renner bei der Gastro-Prominenz sind. Aber ebenso schnell wieder ihre Beliebtheit verlieren. Und es gibt mit einer unerklärlichen, viele Jahrzehnte überdauernden Attraktivität jenes Züricher Etablissement, das von Bankern und Schauspielern, von Dichtern und Managern frequentiert wird.

Die „Kronenhalle“ ist ein Lehrstück der gastronomischen Entschleunigung – weg von der Effekthascherei, hin zu bewährter Handwerkskunst. Und ein Phänomen, das alle auf stete Novitäten erpichten Küchenkünstler schier verzweifeln lässt: Was nur lässt sich dem angeblich entdeckungssüchtigen Publikum als Überraschung servieren? – Wenn nicht eine sich immer wieder erneuernde Fragestellung, die schon den Schweizer Schriftsteller Max Frisch zur augenzwinkernden Kapitulation zwang: „Das Geheimnis der Kronenhalle ist eines jener Rätsel, die man nicht entschlüsseln kann.“

Liegt es am Essen? Gewiss nicht. Denn was auf den Tisch kommt, ist solide – aber keine ausgefallene Kreation. Die Standardkarte, aus der zwischen 14 und 18 Uhr sowie zwischen 21.45 und 23.15 Uhr zu wählen ist, wird dominiert von Kalbsgerichten, ob geschnetzelt oder im ganzen Stück. Oder auch als Kalbsbratwurst nach St. Galler Art. Zum Preis von 28 Franken – also rund 18 Euro – gehört diese Bratwurst wohl zu den teuersten Europas, wenn nicht der Welt. Selbstverständlich ist das Fleisch exzellent wie auch die Qualität von Beilagen, insbesondere der obligaten Kartoffel-Röschti, nichts zu wünschen übrig lässt.

Zur Mittags- und Abendzeit – nie hieße es hier Lunch- oder Dinnertime! – lässt sich die Küchenbrigade schon mehr einfallen. In der Wildsaison gibt es beispielsweise Hirschcarpaccio mit Feigen oder schottisches Rebhuhn. Aber auch einen Rehrücken, der ganz bewusst traditionell zubereitet wird, mit Preiselbeeren, Spätzli, Rotkraut, Maroni und Trauben. Für zwei Personen zu 146 Franken. A la Voiture – also vom Wagen – serviert wird ebenfalls Bewährtes wie Tafelspitz (44 Franken) oder zu 59 Franken ein Kalbskarree gebraten mit einer Sauce von Eierschwämmli – auf Hochdeutsch: Pfifferlinge.

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