Versicherungsschutz auf Geschäftsreisen
Hoch gefährdet – kaum geschützt

Wer beruflich viel unterwegs ist, lebt gefährlicher als Normalbürger. Krieg, Kriminalität, Krankheiten, Terror in den großen Wirtschaftsmetropolen wie New York, London oder Madrid: Geschäftsreisende leben unter ständiger Bedrohung. Von ihren Unternehmen bekommen sie nur wenig Hilfe.
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Der Flug nach Bogotá war lang, die für die nächsten Tage anstehende Jahresversammlung internationaler Luftfrachtspediteure mit Ausschusssitzungen und abendlichen Cocktailpartys würde anstrengend werden. Herbert Braunagel, Inhaber einer Frankfurter Luftfrachtspedition und deutscher Delegierter für das Meeting in der kolumbianischen Hauptstadt, wollte darum so schnell wie möglich in sein Hotel und war froh, dass am Flughafen ein Wagen auf ihn wartete.

Wenig später wurde ihm auf sehr unangenehme Weise klar, dass er das falsche Auto bestiegen hatte, der freundliche Fahrer ein Ganove war. Statt vor dem Hotel stoppte der Wagen in einer abgelegenen Straße außerhalb des Zentrums, zwei weitere Männer tauchten aus dem Nichts auf und nahmen Braunagel nicht nur Gepäck, Brieftasche und alle Wertsachen ab, er musste sich auch bis auf die Unterwäsche entkleiden, bevor er freigelassen wurde.

Der Vorfall liegt zwar schon einige Zeit zurück, Kolumbien gilt aber immer noch als eines der gefährlichsten Länder überhaupt. "Weltweit registrieren wir 1 000 bis 1 500 Entführungen jährlich", sagt Christopher Schramm von der Münchner Sicherheitsberatung Result Group, "die Dunkelziffer ist neunmal so hoch." Fast immer sind Geschäftsreisende die Opfer.

Wer beruflich viel unterwegs ist, lebt gefährlicher als Normalbürger. Und das nicht nur, weil in manchen Ländern Entführungen fast an der Tagesordnung sind. Auch sonst hat das Risikopotenzial für Geschäftsreisende in den vergangenen Jahren drastisch zugenommen: durch Terroranschläge wie in New York, Madrid oder London etwa, durch kriegerische Auseinandersetzungen wie im Irak, in Afghanistan oder jetzt wieder im Libanon, durch Naturkatastrophen wie den Tsunami in Thailand, durch Epidemien wie die Vogelgrippe in China oder durch überdurchschnittlich hohe Kriminalität wie in Rio de Janeiro.

"Geschäftsreisende sind heute besonders gefährdet, trotzdem ist das Sachkapital häufig besser versichert als das Humankapital", warnt Andreas Krugmann, Key Account Manager der Elvia Reiseversicherung. "Bei vielen Unternehmen ist das Bewusstsein für den Aspekt Sicherheit auf Geschäftsreisen gar nicht oder nicht ausreichend vorhanden", sagt Michael Kirnberger, Präsident des Verbands Deutsches Reisemanagement, "es fehlt an Kenntnissen über Rechtsvorschriften, Krisen- und Kommunikationspläne sind oft nicht vorhanden oder selten ausreichend transparent im Unternehmen."

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