Völklinger Hütte
Die Hütte groovt

Bis 1986 wurde in der „Völklinger Hütte“ Eisen produziert. Heute gehört die gewaltige Industrieanlage an der Saar zum Unesco-Welterbe und ist Ort für interessante Ausstellungen – von Fotografie über Ideengeschichte bis Pop. Bisher haben rund 1,2 Millionen Besucher die brisante Mischung aus Ingenieurskunst und Schwerstmaloche auf sich wirken lassen.

„Eisen“, bläut Peter Backes seinen Besuchern ein, „hier ging’s um Eisen. Und das ist das Vorprodukt für den Stahl. Sein Ausgangsmaterial.“

Der Diplomsoziologe Backes ist Projektverantwortlicher beim „Weltkulturerbe Völklinger Hütte“, und schon in dieser Eigenschaft muss er auf den Unterschied zwischen „Stahl“ und „Eisen“ insistieren. Hier, „Weltkulturerbe Völklinger Hütte“, seine Hand zeichnet die Umrisse rostroter Anlagen nach, wurde bis 1986 Eisen verhüttet. Dort drüben, in der „Saarstahl AG“, Backes zeigt auf die Silhouette einer Fabrik vor dem Horizont, wird bis heute Stahl produziert.

Gelegentlich wird nämlich Eisen-Geschichte und Stahl-Gegenwart verwechselt, und das sorgt bei den Beteiligten natürlich für Verdruss. Peter Backes will mit seinen kurzen Grundsatzerläuterungen solchen Irrtümern vorbeugen. Wer mit ihm durch die weitläufigen Anlagen des Hüttengeländes spaziert, muss damit rechnen, dass er vor Richard Nixon kurz anhält. „Mein Lieblingsbild“, grinst der Mittfünfziger und baut sich vor einem Großfoto auf, das den US-Präsidenten auf Wahlkampftour zeigt, bei dem misslingenden Versuch, wählernah zu sein.

72 AP-Bilder, die in den vergangenen Jahren die Welt bewegten, sind noch bis Ende 2007 an den Mauern von Möllerhalle und Sinteranlage angebracht und geben dem Innern des Industriedenkmals dann eine ganz eigene Stimmung, wenn vor einem Einfüllschacht Boris Becker noch einmal die Arme hochreißt, Willy Brandt im Industriedenkmal zum Kniefall ansetzt oder Mick Jagger und Tina Turner zum Duett vor brüchigem Mauerputz antanzen.

Ausstellungen wie die preisgekrönten Exponate der „Associated Press“- Fotografen bescheren dem Industriedenkmal „Völklinger Hütte“ zusätzliche Aufmerksamkeit und Anziehungskraft. Seit 2000 sind hier rund 1,2 Millionen Besucher gezählt worden. So wird in der ehemaligen Erzhalle ab 20. Oktober Pop-Art von Duane Hanson präsentiert: „Sculptures of the American Dream“. Wo demnächst lebensnahe Figuren aufgebaut sind, wurden bis zur Schließung der „Völklinger Hütte“ monatlich bis zu 250 000 Tonnen Erz, Schrott, Kalk und Sinter gelagert, um in unterschiedlicher Mischung („Möller“) und unter Hinzufügung von Koks zu Eisen geschmolzen zu werden. In der Sinteranlage, ziemlich im Zentrum der Hütte, wurde Feinerz und Feinstaub „stückig“ gemacht – durch Erhitzen zusammengebacken und für den Hochofen präpariert.

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