Warnstreik der Lokführer: Chaos in eisiger Kälte

Warnstreik der Lokführer
Chaos in eisiger Kälte

An vielen Bahnhöfen ging heute Morgen nichts mehr. Bei klirrender Kälte mussten Reisende auf ihre Züge warten - die Lokführergewerkschaft GDL hatte zum Warnstreik aufgerufen. Der Fahrplan ist noch immer gestört.
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Berlin/Frankfurt. Streikende Lokführer haben am frühen Dienstagmorgen für lange Wartezeiten am Berliner Hauptbahnhof gesorgt. Einige Fahrgäste zeigten Verständnis für die zweistündige Aktion der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL), andere starrten fassungslos auf
die Anzeigetafel. Die Arbeitsniederlegungen dauerten von 6 Uhr bis 8 Uhr, die Deutsche Bahn (DB) schloss weitere Verspätungen bis in den Abend hinein aber nicht aus.

„Ich halte es schon für richtig, wenn die Leute für faire Bezahlung kämpfen“, sagte Joachim Meyer, der beruflich nach Frankfurt an der Oder fahren wollte. Sein Zug gehörte zu den wenigen, die noch fuhren. Für die meisten Züge zeigte die große Tafel im Hauptbahnhof jedoch massive Verspätungen oder Ausfälle an.

So ein Pärchen, das eigentlich nach Wolfsburg fahren wollte, reagierte erstaunt: „Wir haben zwar von den geplanten Streiks gehört, aber wir wussten nicht, dass auch der Fernverkehr betroffen sein würde“, sagten sie. Fahrgast Rudolf Schreiner, der zu einer Reha-Klinik im hessischen Bad Soden am Taunus unterwegs war, fand den Streik der Lokführer dagegen „einfach nur zum Kotzen“.

GDL-Chef Claus Weselsky bat die Reisenden um Verständnis. Die Gewerkschaft fordert für alle 26.000 Lokführer im Nah-, Fern- und Güterverkehr in Deutschland ein einheitliches Lohnniveau und Beschäftigungsbedingungen, die dem DB-Standard entsprechen. Die Gehälter der bei den sechs größten deutschen Privatbahnen Abellio, Arriva, Benex, Keolis, Veolia und Hessische Landesbahn beschäftigten Lokführer lägen im Schnitt 30 Prozent darunter, erklärte der GDL-Chef.

Aber auch der DB-Standard sei zu gering: In einem Flächentarifvertrag soll daher ein für alle Lokführer geltendes, einheitliches Entgelt festgeschrieben werden, dass bei 105 Prozent des DB-Niveaus liegt. Für einen Berufsanfänger wären das Weselsky zufolge 2.295 Euro plus fünf Prozent.

Einen Anschluss an den kürzlich zwischen DB, den sechs Privatbahnen und der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft EVG unterzeichneten Branchentarifvertrag lehnt die GDL-Spitze ab. Das darin vereinbarte Lohnniveau liege um 6,25 Prozent unter DB-Standard, außerdem seien die Arbeitszeitregelungen schlechter.

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