Web-Initiative Facebook-Abstinenz zur Fastenzeit

Sieben Wochen ohne Facebook - geht das noch? Zahlreiche Nutzer wollen zur Fastenzeit das Netzwerk boykottieren - dem eigenen Wohl zuliebe. Ärzte und Kirchenverbände unterstützen das Vorhaben. Ein Fallbeispiel.
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Auf was die Deutschen gerne verzichten
Internationale Suesswarenmesse ISM
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40 Tage dauert die Fastenzeit - harte Wochen für alle, die sich vorgenommen haben, zwischen Aschermittwoch und Ostern auf das eine oder andere „Laster“ zu verzichten. Ganz oben auf der Enthaltsamkeits-Liste der fastenden Deutschen stehen dabei die Süßigkeiten.

Süßwarenmesse
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Fast die Hälfte der Männer und Frauen (49 %), die sich während der Fastenzeit kasteien wollen, gaben bei einer repräsentativen Umfrage im Auftrag der „Apotheken Umschau“ an, von Schokolade und Gummibärchen ganz und gar die Finger zu lassen. Weitere 40 Prozent möchten immerhin ihren Süßigkeiten-Konsum reduzieren.

Frau isst Chipskartoffelchips
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Auf dem zweiten Fasten-Platz folgen Chips und Knabbereien (ganz darauf verzichten: 48 %; Konsum reduzieren: 37 %).

Fasching in München
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Ebenfalls gestrichen werden sollen bei vielen Fastenden Alkohol (ganz darauf verzichten: 41 %; Konsum reduzieren: 32 %) und...

Rauchen wird teurer
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Zigaretten (ganz darauf verzichten: 34 %; Konsum reduzieren: 13 %).

Schweinekoteletts
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Jeder Neunte (11 %) will während der Fastenzeit keinen Bissen Fleisch essen, mehr als die Hälfte der befragten Fastenwilligen (56 %) versucht zudem, deutlich weniger davon zu verspeisen.

Quelle: Eine repräsentative Umfrage des Gesundheitsmagazins „Apotheken Umschau“, durchgeführt von der GfK Marktforschung Nürnberg.

Bonn/BerlinAls Julia Brinker (22) auf ihrem Facebook-Profil ankündigte, während der Fastenzeit auf die Plattform verzichten zu wollen, waren die Reaktionen mehr als skeptisch: „Das schaffst du nie!“ oder „Ob das nüchtern durchzuhalten ist?“ hieß es in den Kommentaren ihrer Freunde. „Die letzten Tage habe ich sehr ausgelassen gefeiert und dann überlegt, wo ich ab Mittwoch kürzer treten kann“, erklärt die Bonner Germanistik-Studentin mit leicht heiserer Karnevalsstimme. „Als ein Freund von mir neulich meinte, ich wäre permanent bei Facebook online, kam mir die Idee.“

Eine Herausforderung ist die Facebook-Askese für die 22-Jährige in jedem Fall: „Das erste, was ich mache, wenn ich meinen Computer einschalte, ist, mich auf der Seite einzuloggen. Das ständige Online-Sein - schrecklich!“ Die Plattform nutzt die Studentin dabei in erster Linie, um mit Freunden zu kommunizieren oder um allgemeine Dinge mitzuteilen, die sie beschäftigen. Die Verbindung zu Freunden müsse jetzt umgeleitet werden: „Das ist logistisch wirklich aufwändig. Freunde, die ich selten sehe, muss ich informieren, damit wir den Kontakt nicht verlieren.“

Helmut Groschwitz vom Institut für Volkskunde an der Universität Bonn erkennt eine Verschiebung der Antriebe zum Fasten: „Früher war der Grund für den Verzicht, seine eigenen körperlichen Bedürfnisse zugunsten des Glaubens zurückzustellen. Auch die Angst vor schlechtem Seelenheil spielte eine Rolle.“ Heutzutage würde zwar auch gefastet, die Motive hätten sich aber verändert. Wer heute Verzicht übe, tue dies oft aus gesundheitlichen Gründen oder um gegen bestimmte Süchte anzugehen.

Als Facebook-süchtig würde sich Julia zwar nicht beschreiben. Doch das soziale Netzwerk ist ohne Zweifel ein Teil ihres Lebens geworden und der Verzicht darauf eine entsprechend große Herausforderung. Die Germanistin ist zuversichtlich, dass sie die 46 Tage bis Ostern auch ohne Facebook überstehen wird. Dabei mag es ihr helfen, dass sie nicht allein ist: Bei einer aktuellen Forsa-Umfrage gaben rund 28 Prozent der Befragten an, in der Fastenzeit am ehesten auf Computer und Internet verzichten zu wollen.

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