Weitere Streiks geplant
Zugverkehr nach Streiks normalisiert sich

Wegen erneuter Warnstreiks bei der Deutschen Bahn kam es am Mittwoch wieder zu Verspätungen und Zugsausfällen. Für den heutigen Tag sind die Ausstände beendet, die Gewerkschaften kündigten aber weitere Warnstreiks an. Für Fahrgäste steht weiterhin eine kostenlose Informationshotline zur Verfügung.

HB BERLIN. Die zweite Warnstreik-Aktion bei der Bahn binnen sechs Tagen hat am Mittwoch den morgendlichen Zugverkehr im Großraum Berlin lahm gelegt und bundesweit für Behinderungen gesorgt. Tausende Fahrgäste im Regional- und Fernverkehr mussten Verzögerungen von bis zu zwei Stunden oder Ausfälle hinnehmen. Nach ersten Einschätzungen der Bahn waren 197 Züge verspätet, 15 Fahrten mussten vom Fahrplan gestrichen werden. Am Mittag lief der Zugverkehr wieder weitestgehend normal, teilte ein Bahn-Sprecher mit. Mit den vierstündigen Warnstreiks, an denen sich 200 Mitarbeiter beteiligten, wollen die Gewerkschaften im Tarifstreit um Arbeitsplatzgarantien den Druck auf die Bahn erhöhen.

„Wir setzen darauf, dass dieses Signal in der Konzernzentrale ankommt“, sagten die Gewerkschaftschefs Norbert Hansen (Transnet) und Klaus-Dieter Hommel (GDBA). Noch wollten sie nicht zum letzten Mittel greifen und zu unbefristeten Streiks aufrufen. Für diesen Monat seien aber noch „eine Reihe von Warnstreiks“ geplant. In dem Tarifstreit wollen sie durchsetzen, dass die bis 2010 geltende Jobgarantie für rund 130 000 Beschäftigte auch bei einem Börsengang des bundeseigenen Konzerns erhalten bleibt. Nach dem Scheitern von Tarifverhandlungen war es bereits am vergangenen Freitag zu ersten Warnstreiks in Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und im Saarland gekommen.

In Berlin hatten am Mittwoch gegen 5.00 Uhr rund 80 Beschäftigte der Betriebsleitzentrale in Pankow die Arbeit niedergelegt, die den Nah- und Fernverkehr rund um die Hauptstadt steuert. Bereits zuvor waren nach Gewerkschaftsangaben weitere 80 Mitarbeiter im ICE-Werk Rummelsburg vorübergehend in den Ausstand getreten, so dass Züge nicht gewartet und repariert werden konnten. Im Hauptbahnhof und Ostbahnhof öffneten die Reisezentren erst eine Stunde später. Um 7.00 Uhr nahmen die Beschäftigten die Arbeit wieder auf. Die S-Bahn war nicht betroffen.

Da Berlin ein wichtiger überregionaler Bahnknoten ist, kam es auch bei bundesweiten Verbindungen zu Verspätungen und Ausfällen. Im Hauptbahnhof nahe dem Regierungsviertel bildeten sich am Morgen lange Schlangen vor den Service-Schaltern. Mit Durchsagen bat die Bahn um Entschuldigung für Wartezeiten. Transnet-Chef Hansen sagte, Streiks erfreuten Kunden natürlich nicht. Viele Pendler seien aber selbst berufstätig und hätten vielleicht ähnliche Ängste vor Jobverlust. „Deswegen bin ich sicher, dass sehr viele Verständnis haben.“

Für Fahrgäste richtete die Bahn eine Telefon-Hotline unter der kostenlosen Nummer 0 8000 99 66 33 ein. Dort sind Informationen zur aktuellen Situation zu bekommen. Wer wegen streikbedingter Ausfälle oder Verspätungen seine Fahrt nicht antreten kann, kann das Ticket kostenlos umtauschen oder bekommt sein Geld zurück.

Die Gewerkschaften kritisierten das Abwarten des Bundes als Bahn- Eigentümer bei der Entscheidung über die Form eines Börsengangs. Die Beschäftigungsgarantie gilt nur, wenn die Konzernstruktur bei einer Teilprivatisierung nicht massiv verändert wird. In der Politik wird derzeit aber noch diskutiert, inwiefern die Bahn den Zugriff auf das Gleisnetz abgeben sollte. Die Bahn hatte in den Tarifgesprächen daher darauf verwiesen, dass sie nicht für alle möglichen Börsengangs- Modelle Zusagen zur Jobsicherung machen könne. Die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) beteiligt sich an den Aktionen nicht.

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