Weltgrößte Segel-Yacht

„Sailing Yacht A“ setzt erstmals die Segel

Mit 143 Metern ist die „Sailing Yacht A“ die größte Segel-Yacht der Welt. Demnächst soll der Kieler Neubau auf der Ostsee das erste Mal die Segel setzen – vollautomatisch. Die Super-Yacht hat ihren Preis.
Die Luxusjacht und das illegale Tropenholz
Die größte Segel-Yacht der Welt
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Die „Sailing Yacht A“ ist die größte Segeljacht der Welt, 143 Meter lang, ein teilweise verglaster Rumpf, gebaut auf der Werft German Naval Yards in Kiel, im Auftrag des russischen Milliardärs Andrej Melnitschenko. 200 Millionen Euro soll das imposante Boot mindestens gekostet haben – jetzt gerät es wegen beim Bau verwendeter Materialien ins Zwielicht.

Vorwürfe gegen Bootsbauer
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So wirft die Umweltschutzorganisation Environmental Investigation Agency (EIA) der Werft einem Bericht zufolge vor, beim Bau der Jacht illegales Tropenholz verbaut zu haben. Dabei soll es sich um Teakholz aus Myanmar handeln.

Teakholz – beliebt, aber verboten
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Das wild geschlagene Holz ist widerstandsfähiger als Plantagenholz und im Bootsbau beliebt – doch 2014 hatte Myanmar den Export verboten. Die Waldbestände in dem südasiatischen Land waren zwischen 1960 und 2010 zuvor mehr als halbiert worden.

Lieferant aus Spanien
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Beschafft haben soll das Holz der Umweltschutzorganisation EIA nach eine auch in Deutschland aktive, spanische Firma namens Teak-Solutions. Diese unterhalte gute Kontakte zum myanmarischen Holzhandelsunternehmen MTE, das sich in Staatsbesitz befindet. Der Inhaber von Teak Solutions nannte der EIA zufolge die „A“ als Projekt seiner Firma. Die in London ansässige EIA hatte sich für ihre Recherchen als Holzhändler getarnt.

Lieferung nach Rendsburg
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Auch konkrete Zahlen nennt die EIA: Sie will im Besitz von Dokumenten sein, die die Lieferung einer Ladung von 1278 Stück Teakholz für rund 174.000 Euro belegen – diese soll an die Nobiskrug GmbH gegangen sein, eine mittlerweile auf den Bau von Jachten spezialisierte Traditionswerft aus Rendsburg.

Zertifikate aus Myanmar reichen nicht
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Teak Solutions verweist darauf, dass alle benötigten Dokumente aus Myanmar vorlägen. Doch das ist fraglich: Aufgrund der grassierenden Korruption im Land reichen allein staatliche Nachweise über die Herkunft für eine legale Einfuhr nicht aus. Die EU-Holzhandelsverordnung EUTR schreibt für Myanmar eine ganze Reihe von unabhängigen Zertifikaten über die Herkunft vor.

BLE prüft den Fall
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Mittlerweile soll der Fall auch auf dem Schreibtisch der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) liegen. Auch diese betont, Dokumente aus Myanmar würden allein nicht ausreichen um die einwandfreie Herkunft des Holzes zu belegen.

KielSaunalandschaft, großes Heimkino unter Deck, eigenes Unterseeboot an Bord – viele Super-Yachten protzen nur so mit Luxus. „Solange es bezahlt wird, gibt es bei der Ausstattung keine Grenzen“, sagt Claus-Ehlert Meyer. Der Geschäftsführer des Deutschen Boots- und Schiffbauer-Verbandes beobachtet außerdem, dass die Yachten „immer voluminöser werden“. Diesen Trend bestätigt die in Kiel gebaute größte Segel-Yacht der Welt: Die „Sailing Yacht A“ ist knapp 143 Meter lang und fast 25 Meter breit.

Nur sieben Motoryachten gibt es laut der Fachzeitschrift „Boote exclusiv“ auf den Weltmeeren, die noch länger sind als der Dreimaster der Kieler Werft German Naval Yards. Mit 180 Metern Länge führt die bei Lürssen in Bremen gebaute „Azzam“ die Liste derzeit an, gefolgt von der 163 Meter langen „Eclipse“, die in Hamburg bei Blohm+Voss entstand. „Ich glaube nicht, dass in Zukunft noch einmal eine größere Segelyacht als die „A“ gebaut wird“, sagt „Boote exclusiv“-Chefredakteur Marcus Krall.

Seit Tagen erprobt die Kieler Werft ihren Neubau in der Ostsee. Das Unternehmen äußert sich zu den Probefahrten aber nicht. In deren Rahmen steht nach dpa-Informationen demnächst das erste Segelsetzen an. Das geschieht an den bis zu 90 Meter hohen, silbernen Masten automatisch. Die Segelfläche beträgt mehr als 3700 Quadratmeter - das entspricht etwa der Hälfte der Fläche eines Fußballplatzes.

Auftraggeber des keilförmigen Dreimasters mit futuristischem Design ist der russische Milliardär Andrej Melnitschenko. „Mindestens 200 Millionen Euro wird es ihn kosten“, sagt Experte Krall. „Das Volumen der Yacht ist absolut gigantisch.“ Offizielle Angaben gibt es dazu nicht. Auf den Preis eines Neubaus kann man Experten zufolge weniger von der Länge schließen, eher vom Volumen.

Schiffe werden umweltfreundlicher

Je ausgefallener die Wünsche, desto höher der Preis. „Standards gibt es dabei eigentlich nicht“, sagt Meyer. Die „Sailing Yacht A“ beispielsweise verfügt unterhalb der Wasserlinie über eine Panorama-Lounge und neben Beibooten auch über ein eigenes U-Boot.

Beim Blick auf die 200 längsten Motoryachten der Welt fällt auf, dass ein großer Teil von ihnen in Deutschland entstand. „Die Deutschen bauen zwar bei weitem nicht die meisten Superyachten“, sagt Meyer. Die Werften hierzulande bauten aber deutlich größere Luxusschiffe als die Konkurrenz in den Niederlanden oder Italien. Denn die deutschen Schiff- und Bootsbauer hätten das dafür nötige Know-how. Und: „Superyachten von der Stange gibt es nicht.“

Der Super-Dreimaster des Andrei Igorewitsch Melnitschenko
Raus aus dem Dock
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Ausfahrt für eine Yacht der Superlative: Die „Sailing Yacht A“ verlässt in Kiel die Werft von „German Naval Yards“ für ein kurzes Ausdockmanöver.

Die Probefahrt beginnt
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Schaulustige verfolgen das Manöver der monströsen Gefährts: Es soll 143 Meter lang und fast 25 Meter breit sein. Die Yacht verfügt über insgesamt acht Decks. Der Kiel ist am unteren Ende aus gebogenem Glas geformt – so lässt sich die Unterwasserwelt aus nächster Nähe beobachten.

Die neue Nummer eins
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Der Neubau wird damit deutlich größer als der mit 117 Metern Länge größte „Windjammer“ der Welt, die „Sedow“ aus Russland.

Dock geflutet
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Laut Werft ist es ein normaler, betriebsbedingter Vorgang, dass das Dock 8 geflutet werden musste. Zuvor verließ das Schiff seinen Platz im Dock.

Der Besitzer
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Als Auftraggeber des keilförmigen Dreimasters mit futuristischem Design gilt der Milliardär Andrei Igorewitsch Melnitschenko. Nach Forbes-Angaben beträgt sein persönliches Vermögen 11,1 Milliarden US-Dollar. Damit gilt er als achtreichster Russe.

Gut gesichert
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Der Russe hatte sich Ende August persönlich über den Baufortschritt erkundigt. Über die Innenausstattung ist nur wenig bekannt. Bis zu 14 Gäste sollen in Räumen mit großflächigen Kristallspiegeln untergebracht werden. Bis zu 40 sprengstoffsichere Kameras sollen die Sicherheit an Bord gewährleisten.

Die Namensgeberin
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Noch firmiert das Schiff unter dem Namen „White Pearl“, nach Fertigstellung soll es aber „Sailing Yacht A“ heißen. Das „A“ steht für den Anfangsbuchstaben von seiner Frau Aleksandra.

Die von der Rendsburger Werft Nobiskrug bei German Naval Yards in Kiel gebaute „Sailing Yacht A“ hat der Designer Philippe Starck entworfen. Der Franzose hatte für den russischen Milliardär Melnitschenko vor Jahren bereits die Motoryacht „A“ ersonnen.

Und was kostet der Betrieb einer Superyacht wie der aus Kiel? „Jährlich fallen Betriebskosten in Höhe von bis zu zehn Prozent des Kaufpreises an“, sagt Krall. Die kolportierten 54 Männer und Frauen Besatzung seien im Vergleich zu so mancher reinen Motoryacht noch relativ wenig. „Unterm Strich sind die Eigner solcher Yachten im Jahr nur rund vier Wochen damit unterwegs.“ Den Rest der Zeit liegen die Schiffe im Hafen oder sind unterwegs, um gewünschte Reviere zu erreichen. „Denn deren Eigner fahren meist keine längeren Strecken damit.“

Dabei werden die Schiffe laut Meyer zunehmend umweltfreundlicher. Sie produzierten ihren eigenen Strom und ihr eigenes Süßwasser. „So eine Yacht muss man sich vorstellen wie eine Kleinstadt, in die man oben Diesel reinkippt“, sagt der Verbands-Geschäftsführer. Die Umweltauswirkungen ihrer Yachten spielten für die Eigner aber durchaus eine große Rolle: „Denn das ist eine Imagefrage.“

Wo Superreiche das passende Bötchen finden

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