Weniger Komfort für Fahrgäste
Überfüllte Züge auf Deutschlands Schienen

Wegen der Entgleisung eines ICE-Zuges in Köln vor drei Monaten muss die Bahn ihre Züge häufiger durchchecken. Weil gleichzeitig einige ICE's noch zusätzlich überprüft werden, ist das Zugangebot zurzeit deutlich reduziert. Betroffen sind vor allem die Strecken Hamburg-Berlin-München, Köln-Frankfurt(Main) und München-Basel.

HB DÜSSELDORF. Auf Anordnung des Eisenbahn-Bundesamts (EBA) wurden die Inspektions-Intervalle für 66 ICE-3-Züge Anfang Oktober nochmals verkürzt. Die Behörde bestätigte einen Bericht des Westdeutschen Rundfunks, wonach die Inspektions-Intervalle für Radsatzwellen der ICE-3-Züge nun je nach verwendetem Werkstoff alle 30 000 beziehungsweise alle 60 000 Kilometer kontrolliert werden müssen. Nach dem Beinahe-Unglück eines ICE dieser Bauart im Juli hatte die Aufsichtsbehörde die Untersuchungsabstände bereits von 300 000 Kilometer auf 60 000 beziehungsweise 120 000 Kilometer heruntergesetzt. Das hat Auswirkungen für die Bahnfahrer: Vor allem auf den Strecken zwischen dem Ruhrgebiet und München klagen Fahrgäste über übervolle Züge.

Grund für die verschärfte Kontrolle sei, dass die Bahn zu einer millimetergenauen Überprüfung der Radsatzwellen technisch noch nicht in der Lage sei. Daraufhin habe man bis auf weiteres eine zweimillimetergenaue Überprüfung angeordnet mit der gleichzeitigen Verfügung, die Inspektionsintervalle zu halbieren, sagte ein Sprecher des Eisenbahn-Bundesamts.

Parallel dazu sind laut EBA jedoch auch die Züge der ICE-T-Flotte zurzeit verstärkt in der Werkstatt. Das sind Züge mit Neigetechnik, die beispielsweise auf der kurvigen Strecke zwischen München und Berlin fahren. Die Bahn habe von sich aus die Inspektionsintervalle bei den Radsatzwellen verkürzt, um auf Nummer Sicher zu gehen, sagte ein Sprecher. Inwieweit sich die Inspektions-Fristen hier genau verändert haben, konnte er nicht sagen. Die Bahn war für eine Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen.

Auf seiner Internetseite weist das Unternehmen jedoch darauf hin, dass auf Teilen der ICE-T-Strecke wegen "zusätzlicher Behandlungen in den Werkstätten" aktuell keine Doppeltraktions-, sondern nur noch Einfachzüge eingesetzt werden können.

Laut WDR leiden Bahnkunden vor allem zwischen dem Ruhrgebiet und München unter erheblichen Beeinträchtigungen. Der Sender zitierte einen Bahnsprecher mit den Worten, man bedauere Komforteinschränkungen für Fahrgäste. In den Werkstätten würden alle verfügbaren Kräfte im Drei-Schichten-Betrieb arbeiten, um die Züge schnell wieder in Betrieb setzen zu können.

Bei dem Unfall am Kölner Hauptbahnhof am 9. Juli war eine Radsatzwelle gebrochen, daraufhin wurden diese Bauteile von insgesamt 61 ICE-3 mit Ultraschall auf mögliche Risse und Unregelmäßigkeiten überprüft. Die Folgen waren im Fernverkehr über mehrere Tage spürbar gewesen, Zehntausende Bahnkunden waren betroffen. Seit Beginn der verstärkten Überprüfung der Radsatzwellen bei den ICE-3-Zügen sind laut Eisenbahn-Bundesamt jedoch keine besonderen Auffälligkeiten festgestellt worden.

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