Wien
Seelenspur mit Couch

Wien ist in diesem sonnigen Frühling eine mediterrane Metropole, die sich gelassen auf den Ansturm der Touristen einstellt und einfach noch ein paar mehr Sacher-Torten gebacken hat. Im Mozart-Jahr mit seinen abertausend Veranstaltungen könnte glatt das Jubiläum einer weltbekannten Geistesgröße vergessen werden.

WIEN. Wer Zeit hat, sitzt draußen. Wer keine hat, verlässt wenigstens in der Mittagspause Büro, Schule oder Universität und sonnt sich unter dem zarten Blätterhimmel der Linden und knospenden Kastanien. Geschäfte lassen sich auch in den „Schanigärten“ vor den Cafés machen, und ihr Handy haben Wiener Banker und Börsianer sowieso immer am Ohr.

Wien ist in diesem sonnigen Frühling eine mediterrane Metropole, die sich gelassen auf den Ansturm der Touristen einstellt und einfach noch ein paar mehr Sacher-Torten gebacken hat. Im Mozart-Jahr mit seinen abertausend Veranstaltungen könnte glatt das Jubiläum einer weltbekannten Geistesgröße vergessen werden. Sigmund Freud: Dieser Genius hat – anders als das umtriebig reisende und früh verstorbene Musikergenie – 80 Jahre seines Lebens in der Donaustadt verbracht.

Am morgigen 6. Mai feiern die Freudianer den 150. Geburtstag ihres Patrons. In Scharen werden sie in die Berggasse 19 pilgern, der Beginn eines Wien-Spaziergangs auf den Spuren Freuds. Das großbürgerliche Haus, nur wenige Straßen vom noblen 1. Bezirk entfernt, ist eine der bekanntesten Adressen Wiens. Wer die Mozart-, Maria-Theresia- und Sissi-Fans ärgern will, behauptet gar, es sei die berühmteste Adresse der österreichischen Hauptstadt. 47 Jahre lang wohnte der Pionier der Psychoanalyse in dieser stillen Straße. Seine bahnbrechenden Ideen und Theorien zur Psyche des Menschen nahmen von dort ihren Ausgang.

Die Morgensonne liegt auf der Wohnung im ersten Stock, wo heute das Museum der privaten Sigmund-Freud-Stiftung ist. Eine geschwungene Treppe nach oben, ein schlichter Klingelknopf – kurz schellen und wir werden ins Allerheiligste eingelassen. Die Praxis des Seelenarztes und die Wohnung der Familie lagen direkt nebeneinander.

Freud konnte zum Mittagessen mit seiner Frau Martha und den sechs Kindern einfach nach nebenan gehen. Eine kleine Ausstellung erzählt von Leben und Werk des berühmten Analytikers. Vom 6. Mai an wird die Schau durch eine originelle Sonderausstellung ergänzt: „Die Couch. Vom Denken im Liegen“.

In dem kleinen, original hergerichteten Wartezimmer warteten einst die Patienten auf ihre „Redekur“, ihre Psychoanalyse. Wie viel Elend wohl in ihren Köpfen steckte? Dieses Leid durften sie dann eine Tür weiter auf der berühmtesten Couch der Weltgeschichte ausbreiten. Freud erfand das klassische therapeutische „Setting“ der Psychoanalyse: Die Patienten lagen auf dem breiten Sofa, er saß in einem Sessel am Kopfende. Nur Fotos zeugen heute noch davon.

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