Wildenstein Gallery: Die dunkle Seite einer Nobelgalerie

Wildenstein Gallery
Die dunkle Seite einer Nobelgalerie

Die Wildensteins gehören zu den großen Kunsthändlerdynastien, die seit Generationen die besten Privatsammlungen und Spitzenmuseen beliefern. Doch die Justiz ermittelt wegen eines Steuerbetrugs und einem teuren Erbstreit.
  • 0

BerlinEs sind gleich mehrere Skandale, die nicht erst in jüngster Zeit den Nimbus der französisch-amerikanischen Kunsthändlerdynastie Wildenstein angekratzt haben. Der Vorwurf massiver Steuerhinterziehungen und veruntreute Kunstwerke, ein Erbstreit in Milliardenhöhe – das sind nur einige der dunklen Punkte im Erscheinungsbild der sonst so sehr um Diskretion und Distinktion bemühten Nobelgalerie. 1877 in Paris von Nathan Wildenstein, dem Sohn elsässischer Pferdehändler, gegründet, wird sie in vierter Generation von Guy Wildenstein geleitet.

Dessen Nähe zu Nicolas Sarkozy und seine Rolle als Gründungsmitglied und Geldgeber der konservativen UMP-Partei des französischen Präsidenten sind seit 2004 Gegenstand bissiger Zeitungskommentare. Doch diese Verquickung von Macht und Geld ist nur eine Marginalie im Vergleich zu anderen Praktiken des Hauses. Guy Wildenstein und sein vor drei Jahren verstorbener Bruder Alec hatten nach dem Tod ihres Vaters Georges versucht, dessen Witwe um ihr Erbe zu prellen. Sie gaukelten der Stiefmutter vor, die Firma sei hochverschuldet, und es sei ratsam, auf das Erbe zu verzichten.

Vier Jahre später zog sie vor Gericht, und es wurden ihr zunächst 15 Millionen Euro zugesprochen. Ihre Anwältin recherchierte weiter und fand heraus, dass der größte Teil des Wildenstein-Erbes in Treuhandgesellschaften aufgeteilt ist, die ihren Sitz in den Steuerparadiesen Guernsey, Bahamas und Cayman-Inseln haben. Der Wert des von den französischen Steuerbehörden nicht erfassten Erbes, zu dem Tausende von Gemälden, aber auch eine Pferdezucht, Immobilien in Frankreich und eine Ranch in Kenia zählen, wird heute auf 4 Milliarden Euro geschätzt.

In den Beständen finden sich zahlreiche Schätze

Erst im November 2010 reagierte die Justiz mit Hausdurchsuchungen, in deren Rahmen Hunderte Werke aus dem Tresorraum des Pariser „Institut Wildenstein“ – einem von der Galerie unabhängigen Forschungszentrum – fotografiert wurden. Dass dabei auch ein Bild von Berthe Morisot zutage kam, das seit Guy Wildensteins Tätigkeit als Testamentsvollstrecker der Sammlung Rouart verschwunden war, ist mehr als eine Marginalie.

Es fanden sich dort auch Werke von Degas und Rembrandt Bugatti, die offensichtlich aus der von den Nazis geplünderten Sammlung Joseph Reinach stammten, die Daniel Wildenstein nach der Restitution an die Erben geschätzt hatte. Ob das nur die Spitze eines Eisbergs unrechtmäßig gebunkerter Kunstwerke ist, wird sich zeigen. Doch schon jetzt fallen mit der Vermutung von Steuerbetrug und Geldwäsche große Schatten auf das Stammhaus in der Rue la Boétie.

Das war nicht immer so. In den ersten 50 Jahren ihrer Firmengeschichte hatte sich die Galerie Wildenstein einen immensen Ruf erworben, der sie in eine Reihe mit den großen Kunsthändlern stellte: Colnaghi, Duveen, Knoedler, Durand-Ruel, Vollard.

Seite 1:

Die dunkle Seite einer Nobelgalerie

Seite 2:

Seite 3:

Kommentare zu " Wildenstein Gallery: Die dunkle Seite einer Nobelgalerie"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%