Winterchaos
Züge bleiben im Eurotunnel stecken

Schnee und arktische Kälte haben weite Teile Europas und der USA lahmgelegt: Im Eurotunnel zwischen Frankreich und Großbritannien steckten 2 000 Reisende fest. Über die Ostküste der USA fegten Schneestürme hinweg, in Washington wurde „Schnee-Notstand“ ausgerufen; viele Flughäfen mussten schließen.
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HB HAMBURG. US-Präsident Barack Obama landete nach seiner Rückkehr vom Weltklimagipfel aus Kopenhagen auf dem Militärflughafen Andrews Air Force Base in Maryland – gerade noch rechtzeitig, bevor der tief verschneite Platz geschlossen wurde. Die Eiseskälte suchte Deutschland mit oft zweistelligen Minusgraden heim – am Funtensee in Bayern herrschten 33,6 Grad Minus. Fast überall lag Schnee. Auf glatten Straßen kam es zu weit mehr als tausend Unfällen mit vielen Verletzten und mindestens zwei Toten.

Eine Pannenserie beim Eurostar führte dazu, dass im Tunnel unter dem Ärmelkanal Zugreisende einen Alptraum durchlitten und bis zu 15 Stunden brauchten, ehe sie in London ankamen. Vier Superschnellzüge steckten fest, ein fünfter kroch nur langsam durch die Röhre, wie ein Eurostar-Sprecher der Deutschen Presse-Agentur dpa in London sagte.

Mitten im Weihnachtsverkehr wurde der Betrieb unter dem Ärmelkanal für den ganzen Samstag eingestellt. An den Terminals herrschte Chaos. Die erschöpften und frustrierten Reisenden kritisierten eine schlechte Versorgung, mangelnde Informationen und sprachen von verängstigten Reisenden. Als die Züge aus der eisigen trockenen Luft im Norden Frankreichs in den etwa 25 Grad warmen und feuchten Tunnel fuhren, legte der Temperatursprung die Elektrik der Lokomotiven lahm.

Das Unternehmen entschuldigte sich bei den Betroffenen. Für die Fahrgäste habe keine Gefahr bestanden, sagte der Sprecher. Die Züge hätten eine batteriebetriebene Notbeleuchtung. „Die Leute sitzen nicht im Dunkeln fest.“ Wann wieder Züge auf der Strecke rollen, die London mit Paris und Brüssel verbindet, war zunächst unklar. Auch der Betreiber des Eurotunnels zeigte sich erstaunt. „Noch nie musste ein Eurostar-Zug in den 15 Jahren seit Tunnelöffnung evakuiert werden. Und in der vergangenen Nacht mussten wir gleich zwei Züge evakuieren und die Leute rausholen“, sagte John Keefe der BBC.

In Polen sind seit dem Beginn der Kältewelle Mitte dieser Woche acht Menschen erfroren. In Breslau (Wroclaw) in Niederschlesien rollten die Züge in der Nacht zum Samstag nach 16-stündiger Pause wieder. Der Frost hatte die noch vor dem Zweiten Weltkrieg gebaute Eisenbahnbrücke im Stadtzentrum beschädigt. Eis und Schnee haben auch Italien immer stärker im Griff. Die Fährverbindungen zu den Äolischen Inseln im Süden blieben am Samstag eingestellt. Selbst die Insel Sizilien richtete sich auf Schnee in höheren Lagen ein. Auch die Lagunenstadt Venedig erwachte unter einer Schneedecke.

In Deutschland seien viele Autofahrer auf den plötzlichen Wintereinbruch nicht vorbereitet gewesen, sagte ein Polizeisprecher in Freiburg im Breisgau. Allein im größten Bundesland Nordrhein- Westfalen zählte die Polizei seit Freitagabend etwa 1 000 Unfälle - etwa 20 Menschen wurden dabei schwer verletzt, rund 80 leicht. In Bayern und in Baden-Württemberg wurden nach Polizeiangaben jeweils mehrere hundert Unfälle gezählt. Meistens blieb es bei Blechschäden. Auf den dortigen Autobahnen stockte die Reisewelle in Richtung Süden - in zehn Bundesländern hatten die Ferien begonnen.

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